Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau … — Weibliche Sicht

Katrin Freisager · Nadia, 1995; Pipilotti, 1995, Farbfotografien auf Aluminium, je 167 x 82 cm, Aargauer Kunsthaus, Aarau / Depositum der Sammlung Andreas Züst. Foto: Zoe Tempest

Katrin Freisager · Nadia, 1995; Pipilotti, 1995, Farbfotografien auf Aluminium, je 167 x 82 cm, Aargauer Kunsthaus, Aarau / Depositum der Sammlung Andreas Züst. Foto: Zoe Tempest

Besprechung

Anhand von Werken von rund vierzig Künstlerinnen nähert sich die Gastkuratorin Elisabeth Bronfen im Aargauer Kunsthaus der Kunstgeschichte der weiblichen Kreativität in formal-ästhetischer Hinsicht. Befragt wird ihr Einfluss auf die Kunstströmungen wie auch die Erinnerungskultur.

Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau … — Weibliche Sicht

Aarau — Monografische Ausstellungen von Künstlerinnen liegen seit den letzten Jahren im Trend. Ausgehend von der hauseigenen Sammlung bietet das Aargauer Kunsthaus nun eine Übersichtsschau zum weiblichen Kunstschaffen der 1970er- bis 1990er-Jahre. Der etwas irritierende Titel ‹Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau …› versammelt eine breite Palette von Werken von Künstlerinnen von Louise Bourgeois und Sonja Sekula über Heidi Bucher bis zu Rosina Kuhn, Cécile Hummel oder Muda ­Mathis – der sogenannten zweiten Welle der Frauenbewegung. Ihre Dekonstruktionen des «typisch Weiblichen» sind kategorisiert in Körperbilder, Interieurs, Selbstbildnisse, Pop-Art und surreale Aspekte.
«Mit einem vom feministischen Diskurs um sexuelle Differenz geschärften Blick» auf die Werke von Künstlerinnen beleuchtet die Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen als Gastkuratorin die Eigenart der schweizerischen Klassischen Moderne und Postmoderne. Jenseits von normativen oder erotisch aufgeladenen Bildern des «Frauseins» unter einem männlichen Blick werden so ungewohnte Bildwelten, konträre künstlerische Arbeitsweisen und ihr ungeheurer Facettenreichtum durchforstet. Der Rundgang wird mit beeindruckenden Fotoarbeiten des eigenen Körpers eröffnet: Prominent wirken Hannah Villigers plastische Körperteile, Katrin Freisagers spärlich bekleidete, selbstbewusst dreinschauende Frauenfiguren. Dazu gesellt sich Marianne Müller, die sich als weibliche Junggesellenmaschine inszeniert. In krassem Gegensatz zu dieser fulminant gefeierten Körperlichkeit verorten sich Visualisierungen des sich auflösenden Körpers in atmosphärisch dichten Bildwelten. So in den fast immateriell wirkenden Bildchiffren von Leiko Ikemura, die das Unsagbare formulieren. Mit Inbrunst unterwandert Miriam Cahn typisch weibliche Selbstdarstellungen in ‹Morgengrauen›. Ebenso Klaudia Schifferle, wenn sie sich im starken Doppelpor-trät ‹Fräulein Wunderbar› mit verzerrt wirkenden Gesichtszügen darstellt.
Eine Entdeckung ist Doris Stauffer, Mitbegründerin der F+F-Schule für Kunst und Design 1971 und der Frauenbefreiungsbewegung (FBB) 1969. Ihre Assemblagen und ihre «Hexenkurse» bildeten einen subversiven Kommentar zur damaligen eingeschränkten weiblichen Lebenswelt. Damit übte und übt sie eine weitreichende Wirkung auf nachfolgende Generationen aus. 

Jusqu'à 
15.01.2023

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