Harald Klingelhöller

Harald Klingelhöller · Schneefall erzählt, Ausstellungsansichten Skulpturenhalle Neuss 2022

Harald Klingelhöller · Schneefall erzählt, Ausstellungsansichten Skulpturenhalle Neuss 2022

Harald Klingelhöller · Schneefall erzählt, Ausstellungsansichten Skulpturenhalle Neuss 2022

Harald Klingelhöller · Schneefall erzählt, Ausstellungsansichten Skulpturenhalle Neuss 2022

Hinweis

Harald Klingelhöller

Neuss — Inzwischen ist manche Kunst eine Kaskade atemloser Diskurse in Workshops und Web-Foren. Bei Harald Klingelhöller (*1954) dagegen erhält die Sprache buchstäblich Gewicht und einen Ort auf Zeit: ‹Abend wird Abenden Gleich›; ‹Die Furcht verlässt ihren Gegenstand und geht über in Hass› … Der Titel eröffnet jeder Skulptur ein weites semantisches Feld in Metaphern oder sozial konnotierten Feststellungen, während ihre plastische Form die visuellen Strukturen der geschriebenen oder gesprochenen Worte aufnimmt: die Zeichenzahl, proportionale Wortlängen und die Gliederung der Zeilen, Wiederholungen oder Versionen in wechselnden Materialien, als «Schatten» oder «Echo». Keine Illustration, sondern ein sprachbemessenes Objekt tritt physisch neben den Textteil, bis die räumliche Gestalt im Titel wiederum ihren sprachlichen Niederschlag findet: ‹Abend wird Abenden Gleich (dreifach, sternförmig)›, 2020.
Der mehrfachen Präsenz einer einzelnen Arbeit entsprechend, potenzieren sich die Bezüge in Klingelhöllers aktueller Ausstellung in Thomas Schüttes Skulpturenhalle. Das Zentrum des ovalen Raums mit seinen hohen rohen Betonwänden bildet ein Backsteinpavillon aus zwei sich überschneidenden konischen Rundformen. Klingelhöller verspannt diese Rotunde mit einer losen Kette, deren Metallglieder sich reihen in der Zahl der titelgebenden Buchstaben ‹Im Traum der Träumer erwachen die Geträumten›. Wenn ‹Schneefall erzählt›, so der Ausstellungstitel, versinken wir tiefer ins Träumen, um immer wieder und noch heller zu erwachen.
Arbeiten aus verschiedenen Werktypen eröffnen eine randlose Landschaft metaphorischer Verschiebungen und Wege um schwebende, liegende, sich anlagernde Objekte. Möglicher Beginn und Fluchtpunkt ist ein weisser Wandschrank mit Schubladen im schlanken proportionalen Schriftblock der Worte: ‹Räume hinter Räumen hinter erzählten Räumen›. Dieter Schwarz, der die Skulpturenhalle seit ihrer Eröffnung 2016 kuratiert, weist darauf hin, dass neben der lesbaren, sichtbaren Ausstellung in den «Schatten» und «Echos» auch eine Welt abwesender Skulpturen evoziert wird. Die Werktitel an den Wänden bleiben diskret. Die räumlichen Elemente lenken den Schritt, wo sich Blicke über Sterne oder aufgeschlagene Schachteln am Boden, über heckenhohe Balustraden von Buchstaben oder zwischen Mobiles aus transponierten Schatten von Skulpturen vortasten. Beim Sehen und Gehen und Spielen mit Worten sucht die Imagination ihre Fixpunkte zwischen Erahntem und Geträumtem, Gesehenem und Gedachtem. 

Jusqu'à 
11.12.2022
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Harald Klingelhöller 02.09.2022 - 11.12.2022 exposition Neuss
Deutschland
DE

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