Isamu Noguchi — Im Wechselspiel von Kunst und Design

Isamu Noguchi · Mitosis, 1962, Bronze, 36,8 x 56,5 x 41,8 cm, MoMA, New York, James Thrall Soby Bequest © ProLitteris. Digitalbild: MoMA, New York / Scala, Florenz

Isamu Noguchi · Mitosis, 1962, Bronze, 36,8 x 56,5 x 41,8 cm, MoMA, New York, James Thrall Soby Bequest © ProLitteris. Digitalbild: MoMA, New York / Scala, Florenz

Isamu Noguchi mit Akari-Lampen, 1955, The Noguchi Museum Archives © ProLitteris. Foto: Louise Dahl-Wolfe

Isamu Noguchi mit Akari-Lampen, 1955, The Noguchi Museum Archives © ProLitteris. Foto: Louise Dahl-Wolfe

Besprechung

Viele kennen die «Japanlampen», aber kaum den Designer und noch weniger den Künstler hinter den sogenannten Akari-Leuchten: Das Zentrum Paul Klee präsentiert erstmals in der Schweiz den bedeutenden japanisch-US-amerikanischen Bildhauer und Designer Isamu Noguchi in einer breit angelegten Retrospektive.

Isamu Noguchi — Im Wechselspiel von Kunst und Design

Bern — Über die grosse Ausstellungshalle zieht sich in nahezu voller Länge eine Bahn der runden Akari-Lampen. So wie der japanische Begriff für Licht und Leichtigkeit steht, so prägnant und leicht wirkt deren Ansammlung. Wie eine «Milchstras-se», so Fabienne Eggelhöfer, Kuratorin der mit Feingespür für das Behagliche und Unbehagliche, für das Verspielte und Ernsthafte ausgerichteten Werkschau zu Isamu Noguchi (1904–1988) im Zentrum Paul Klee. Zumal die vom Designer und Künstler selbst benannten «Lichtskulpturen» immer wieder dezent in der Schau auftauchen, begleiten sie uns in der Tat wie Fixsterne durch die zahlreichen Objekte, Skulpturen, Bilder und Modelle. Passend bilden die Plastik ‹Solar›, 1958, und eine Fotowand mit dem Modell der ‹Sculpture to be seen from Mars›, 1947, einen Abschluss der «Sternenbahn». So utopisch dieses Skulptur-Projekt erscheint, so ernst war es Noguchi damit. Zeitlebens bewegte sich der amerikanische Künstler mit japanischen Wurzeln zwischen den Kulturen, zwischen den USA, Europa und Asien, insbesondere Japan. Davon geprägt, ging es ihm stets um eine gesellschaftsrelevante Kunst, mit den Mitteln handwerklicher Traditionen wie auch modernster Technik; in der Auseinandersetzung mit der Umgebung, mit den Künsten und dem politischen Geschehen.
Noguchi kam früh zu Erfolg mit Auftragswerken, mit Porträtbüsten von Zeit­genoss:innen etwa oder dem Design eines Babyphones. In der Folge liess er sich als Assistent von Constantin Brâncuși in Paris erstmals von abstrakter Kunst inspirieren, zu Skulpturen mit gerundeten Formen und polierten Oberflächen. Sein Verständnis der Interaktion von Skulptur, Raum und Betrachter:in nahm hier ebenfalls seinen Anfang. Während des Zweiten Weltkriegs kam er mit dem Surrealismus in Berührung und entwickelte fein ausbalancierte, aber ebenso unstet wirkende Figuren aus zusammengesteckten Einzelteilen wie ‹Strange Bird›, 1945. Aus den ‹Interlocking Sculptures› ging auch der berühmte ‹Coffee Table›, 1944, hervor. Letztlich weitete sich sein Œuvre bis hin zu Entwürfen für Kriegsmahnmale oder Bühnenbilder zu Stücken gegen den Rassismus. Er entwarf aber auch Tanzkostüme oder das Design des aerodynamischen ‹Dymaxion Car›, 1932/33, von Buckminster Fuller und schliesslich auch Gartenanlagen und Spielplätze, wovon die Marmorrutsche ‹Slide Mantra› an der Biennale Venedig 1986 zeugte. Und dies alles stets im Bemühen, Kunst gegenüber den Menschen in eine stimmige und glaubhafte, mal spielerische, mal nachdenkliche Resonanz zu bringen. 

Jusqu'à 
08.01.2023
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Isamu Noguchi 23.09.2022 - 08.01.2023 exposition Bern
Schweiz
CH
Auteur(s)
Marc Munter
Artiste(s)
Isamu Noguchi

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