Martin Chramosta

Martin Chramosta · Case ispirate, 2021/22, weisser Ton gebrannt, Masse variabel

Martin Chramosta · Case ispirate, 2021/22, weisser Ton gebrannt, Masse variabel

Martin Chramosta · Casa ispirata, 2021/22; weisser Ton gebrannt

Martin Chramosta · Casa ispirata, 2021/22; weisser Ton gebrannt

Hinweis

Martin Chramosta

Bregenz — Martin Chramosta (*1982) zeigt im Künstlerhaus Bregenz Werke aus seinem Studienaufenthalt 2021/22 am Istituto Svizzero in der Villa Maraini in Rom. Es ist seine erste institutionelle Ausstellung in Österreich. In seiner Arbeit reflektiert er Architektur und den Umgang mit Vergangenheit. Er nimmt die allerorts präsenten historischen Fragmente auf und fügt sie zu eklektizistischen Konglomeraten in Wandreliefs zusammen. Entstanden sind fiktive Fassadenobjekte, angelehnt an historische Ruinen aus dem Jugendstil, dem italienischen Razionalismo und Ausgrabungsstätten, versetzt mit künstlich geformten Stein- und Gartenanlagen. Im Zoologischen Garten von Rom entdeckte Chramosta Felsenlandschaften, die auf den Schweizer Bildhauer Urs Eggenschwiler zurückgehen und die dringend der Restaurierung bedürfen, im Kontext einer reichen Vielfalt historischer Bauten aber kaum Beachtung finden.
Die zwölfteilige Werkgruppe der ‹Case Ispirate›, 2021/22, Reliefs aus gebranntem, weissem Ton, oszilliert zwischen Bild, Zeichnung und Objekt. Sie verbinden sich mit der hellen Wand und erinnern an aus der Zeit gerissene Fragmente, die ein Eigenleben als verspielte Zuckerbäckerei weiterführen oder als verführerische Trugbilder locken. Mit seinen Werken denkt Chramosta über den Umgang und die Funktion von Kunst im öffentlichen Raum nach. So mussten im 19. Jahrhundert in Rom alte Villen und Gärten einem ausufernden Bauboom weichen. Viele der hastig entsorgten «Trümmer» finden sich noch heute als Spolien an Wänden oder wurden als Bodenfüller und Fundamente für Neubauten verwendet, so auch auf dem Hügel der Villa Maraini. In einer mehrere Meter hohen Installation verbindet der Künstler drei orangefarbig glasierte Keramiktableaus, die auf abstrahierten, antiken Bildreferenzen basieren, mit einem Netzwerk aus verschweissten Eisenstäben. Das Metallgitter entspricht einem historischen Stadtplan von Rom, der damals für alle Bürger:innen verständlich und zugänglich war. Schaut man genauer hin, verbirgt sich in der grossflächigen Arbeit auch eine Türklinke. So verbindet Chramosta seine Objekte humorvoll mit dem Alltag und dem Zeitgeist und erinnert an Balkongitter und Gartentüren, die mit Fundstücken und gestalterischen Erzeugnissen der jeweiligen Besitzer:innen dekoriert werden. 

Jusqu'à 
13.11.2022

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