Melting Pot

Sandrine Pelletier · Melting Pot, Ausstellungsansicht CACY 2022. Foto: Emile Barret

Sandrine Pelletier · Melting Pot, Ausstellungsansicht CACY 2022. Foto: Emile Barret

Guillaume Pilet · Melting Pot, Ausstellungs­ansicht MYR 2022. Foto: Emile Barret
 

Guillaume Pilet · Melting Pot, Ausstellungs­ansicht MYR 2022. Foto: Emile Barret

 

Hinweis

Melting Pot

Yverdon-les-Bains — Unter dem auch metaphorischen Begriff laufen nicht weniger als 38 Keramikausstellungen in der Romandie. Anlass war der im September in Genf abgehaltene Kongress der Internationalen Keramikakademie, die dort 1952 entstand. Die im Centre d’art contemporain Yverdon-les-Bains/CACY und im Musée Yverdon et région/MYR wurde von der Künstlerin und Keramiklehrerin Patricia Glave für die waadtländische visarte mit dem Untertitel ‹ou comment changer du plomb en or› kuratiert. Sie ist insofern einzigartig, als dass sie eine allgemeine Kunstszene ausleuchtet. Gerade so vermag sie zu verdeutlichen, wie innovativ und inhaltsreich der Griff unter anderem zu Keramik für Kunstschaffende unterschiedlichster Ausbildung in den letzten Jahren geworden ist – eine globale Tendenz!
Im CACY sind zwanzig Positionen zu sehen, die mit «archaischen» oder Hightech-Verfahren sowie alltäglichen und künstlerischen Verwendungen von Keramik heraus zu (kunst-) philosophischen Gedanken anregen. Berückend eröffnet die von Sandrine Pelletier (*1976) bearbeitete Stellwand gegenüber dem Eingang diese Spannungsfelder. Um das in eine Tontafel eingravierte Textfragment ‹Le cendre hésite entre feu et poussière› des afrikanischen Dichters Noël X. Ebony (ca. 1950–1986) hat sie die Wand so mit handgefertigten Kacheln überzogen, dass diese, statt für pflegeleichte Beständigkeit zu sorgen, teils schon wieder zu Boden gebröckelt sind. Dass sich Warten in der Kunst bisweilen auszahlt, beweisen die süssen Figürchen von Keiko Machida (*1976), die sie während des Trocknens, Brennens und Kühlens grösserer Werke modelliert hat. Wie belebend für viele Keramikschaffende die Naturbegegnung ist, zeigt Laure Gonthier (*1983) mit den für Glasuren «eingeäscherten» Pflanzen, die sie auf einem Papier über einem Lautsprecher zu kaum hörbaren Tonaufnahmen vom Wachstums­ort tanzen lässt. Und Christian Gonzenbach (*1975), der flüssiges Aluminium in eingemauerte Vasen leerte, sodass das Metall beim Abkühlen und Festwerden zu floralen Gebilden hochschoss, thematisiert das Miteinander von Kontrolle und Zufall bei allem plastischen Schaffen, das materielle Transformationsprozesse impliziert.
Im MYR fragt Guillaume Pilet (*1984) ausser­­dem, wie museale Szenografie unsere Wahr­nehmung von Objekten prägt – seien es wertvolle antike Amphoren oder trivialer Schnickschnack. So hat er Behälter und andere Tonfiguren aus der Sammlung und aus seiner Hand auf Sockeln wie zu einer grossen Revue gruppiert. Und mit allen sympathisieren wir plötzlich, schreiben ihnen Charaktere und Identitäten zu, als wären sie Individuen unserer Gattung! 

Jusqu'à 
06.11.2022

Publicité