Queer Trust

Dana Michel · The Schenectady Report, 2022, Performance, Shedhalle Zürich. Foto: Carla Schleiffer

Dana Michel · The Schenectady Report, 2022, Performance, Shedhalle Zürich. Foto: Carla Schleiffer

Dorota Gawęda & Eglė Kulbokaitė · Leave No Trace (Athens) I–VIII, 2022, Aluminium, Holz, Digitaldruck auf Chiffon, je 110 x 200 cm; Votive Flowers (I–VI), 2022, Edelstahl, Plastikblumen mit Glasfaseroptik. Foto: Carla Schleiffer

Dorota Gawęda & Eglė Kulbokaitė · Leave No Trace (Athens) I–VIII, 2022, Aluminium, Holz, Digitaldruck auf Chiffon, je 110 x 200 cm; Votive Flowers (I–VI), 2022, Edelstahl, Plastikblumen mit Glasfaseroptik. Foto: Carla Schleiffer

Hinweis

Queer Trust

Zürich — Anders als in der Prozesskunst der 1960er-Jahre, welche die Entstehung hauptsächlich des Kunstwerks sichtbar machte, schliesst das kuratorische Verständnis prozessbasierter Kunst von Philipp/Phila Bergmann und Thea Reifler die Organisation der Ausstellung und die Ausstellung als bewegliches Medium mit ein. Die beiden, die seit 2020 die Shedhalle in Zürich leiten, sprechen deshalb auch von «prozessbasiertem Ausstellungsmachen», bei dem vieles bis zuletzt ungewiss bleibt: «Wir fragen in der Regel keine fertigen Werke an, sondern bieten Kunstschaffenden den Raum, diese zu entwickeln, und dem Publikum verschiedene Möglichkeiten, mit den Werken und den Kunstschaffenden in Kontakt zu kommen.» ‹Prozessbasiert› gründet also auf Austausch. Das erfordert Vertrauen, was in der aktuellen Protozone ‹Queer Trust›, einer multimedialen Gruppenschau mit Live-Elementen, thematisiert wird.
Der Begriff ‹queer› weist dabei über die Frage von sexueller Orientierung und Geschlecht hinaus und bezieht sich auf Handlungen jenseits normierter Abläufe, welche die Arbeit in Institutionen und die Beziehungen zwischen Menschen häufig strukturieren. Am Eröffnungswochenende fand an zwei Tagen eine mehrstündige Performance von Choreograf:in und Live-Künstler:in Dana Michel statt. Gekleidet in schlotternde Anzughosen und Hemd, die langen Socken halb von den Füssen gestreift, bewegte sie sich scheinbar absichtslos durch den Raum. Sie schlurfte, robbte oder zog sich kauernd über den Boden und interagierte dabei mit einem Staubsauger oder architektonischen Elementen. Bisweilen verweilte sie in spastisch anmutenden Bewegungen, die sich als reflektierende Navigationsmethode erweisen. Nach jeder Regung musste sich der Körper orientieren und aufkommende körperliche Frustration durch Vertrauen in die nächste Bewegung überwinden. Wer die Live-Performances verpasst hat: In der Ausstellung ist ein Video einer ähnlichen Performance von Dana Michel zu sehen.
Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė hingegen zeigen mit ‹Leave No Trace (Athens) I–VIII› eine räumliche Installation aus in Metallrahmen gespannten und bedruckten Chiffon-Textilien. Je nach Blickwinkel erscheinen oder verschwinden in den transparenten Flächen Bilder von Performance-Dokumentationen. Die Arbeit verweist auf die Komplexität von Gedächtniskonstruktion: Erinnerungen werden vom Gehirn bei jedem Aufrufen verändert zusammengesetzt. Es stellt sich somit die Frage, inwiefern man eigenen Erinnerungen isoliert trauen kann.

Jusqu'à 
04.12.2022
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Protozone8 QUEER TRUST 16.09.2022 - 04.12.2022 exposition Zürich
Schweiz
CH

Publicité