Valentin Hauri und Rhea Myers

Valentin Hauri & Rhea Myers · Ausstellungsansicht Last Tango, Zürich, 2022. Foto: Kilian Bannwart

Valentin Hauri & Rhea Myers · Ausstellungsansicht Last Tango, Zürich, 2022. Foto: Kilian Bannwart

Hinweis

Valentin Hauri und Rhea Myers

Zürich — It takes two to tango? Manchmal braucht es die vergleichende Betrachtung zweier gegensätzlicher Positionen, um sie wiederum einzeln zu entschlüsseln. Im Kunstverein Last Tango am Sihlquai begegnen sich derzeit Valentin Hauri (*1954, Baden) und Rhea Myers (*1973, UK) und präsentieren eine zunächst ästhetisch unerwartete Gegenüberstellung. 16 Ölbilder von Hauri sind im Ausstellungsraum neben vier Reproduktionen der NFT-Serie ‹Tokens Equal Text› von Rhea Myers – auf Bildschirmen und als Siebdrucke – im Dialog zueinander arrangiert. Beim Eintreten fällt der Blick auf eine tiefblau gestrichene Eckwand, die als verbindende Rahmung der beiden künstlerischen Positionen die Suche nach Zusammenhängen evoziert. «Bust of Apollo, Neon Pink Grid, Sand Dunes Stretching Away, Cyan/Navy Blue Gradient» lässt sich auf einem Bildschirm in jeweils vier unterschiedlich farbigen Zeilen lesen. Auch die anderen Reproduktionen der NFT-Serie von Rhea Myers folgen einem identischen formalen Muster. Die scheinbar zusammenhanglosen Textfragmente wecken kurze gedankliche Bildschnipsel – «Yellow Sports Car» –, die mit dem Lesen der nächsten Zeile – «Phosphor Green Grid» – sofort wieder durch neue Assoziationen verwischt werden.
Rhea Myers nutzt Blockchain einerseits als Medium für ihre Kunst und macht sie zugleich auch zum Inhalt ihrer Arbeiten. Als «Rare Art» sind digitale Editionen auf der Grundlage von Blockchain-Token zum Ausdruck des Eigentums von Werten geworden, durch deren technologische Mechanismen Marktwert und Einzigartigkeit bestimmt werden. In die nüchterne Darstellung der Tokens trägt Myers diverse konzeptuelle Ebenen hinein, die einer systematischen Verschlüsselungsmethode folgen und durch deren Verknüpfung sie Aspekte der Originalität und des Eigentums digitaler Kunst hinterfragt. Die formalen Bedingungen der Darstellungen sind jedoch durch die einzelnen Prozessschritte bis ins Unkenntliche getrieben, sodass sich das ästhetische Resultat kaum mehr entschlüsseln lässt.
Ebenso wie das Verfahren von Myers durch ein Algorithmus-Protokoll bestimmt ist, folgt Valentin Hauri seit einigen Jahren in seiner Arbeitsweise einer strikten Formel. Für die Entstehung der Bilder ist jeweils nur ein Versuch vorgesehen. Alle Ölgemälde sind auf Leinwände mit einem 10:9-Verhältnis gemalt. Er arbeitet nach der Technik «alla prima» – wet into wet –, die keine späteren Korrekturen zulässt. So erstreckt sich am langen Ende des Ausstellungsraumes eine weisse Struktur wie ein heller Blitz über drei Leinwände. Der Titel der Arbeit ‹Thunderstorm at Jennie Richee›, die als Triptychon den Raum abschliesst, verweist auf eine Serie des Künstlers Henry Darger. Dargers Schaffen wird der Outsider Art zugeschrieben. Referenzen auf Künstler:innen, die von gesellschaftlichen Normen oder dem akademischen Kunstbetrieb abweichen, finden sich in zahlreichen weiteren Werken von Hauri. In seinen Darstellungen sind jedoch jegliche figurativen Elemente verschwunden, wie ausradiert aus Szenen, in denen nun abstrakte Formen hervortreten. Sowohl Myers als auch Hauri bringen durch konzeptionelle Verschlüsselungsstrategien Fragen von Authentizität, Identität und Abweichung zur Sprache, ohne sich dabei auf Körperlichkeit oder bekannte Narrative zu beziehen. Der Entschlüsselungsprozess ihrer Arbeiten wird zum Abtragen von Schichten, hinter denen immer neue Ebenen hervortreten, deren Ursprünge sich aber trotzdem nie gänzlich offenbaren. 

Wiebke Wiesner im Rahmen von MA Curatorial Studies, ZHdK, 2022

Jusqu'à 
13.11.2022
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Valentin Hauri, Rhea Myers 02.09.2022 - 13.11.2022 exposition Zürich
Schweiz
CH

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