bauhaus imaginista — Grounding Research

Sheila Hicks · Ventana III, 1962, Schlitzwirkerei; Wolle-Streichgarn, 65,7 x 59,5 cm, Museum für ­Gestaltung Zürich / Kunstgewerbesammlung / Zürcher Hochschule der Künste © ProLitteris

Sheila Hicks · Ventana III, 1962, Schlitzwirkerei; Wolle-Streichgarn, 65,7 x 59,5 cm, Museum für ­Gestaltung Zürich / Kunstgewerbesammlung / Zürcher Hochschule der Künste © ProLitteris

Besprechung

Rabat, Hangzhou, New York und Tokio waren die ersten Statio­nen des Forschungsprojekts ‹bauhaus imaginista›. Es wurde 2016, drei Jahre vor dem grossen Bauhaus-Jubiläum initiiert und zeigt dessen kosmopolitische Rahmenbedingungen aus ­einer transnationalen Perspektive auf.

bauhaus imaginista — Grounding Research

Bern — Vier Objekte wurden vom künstlerischen Leitungsduo bestehend aus Marion von Osten und Grant Watson für die Recherche ausgewählt: das Gründungsmanifest des Bauhauses von 1919, eine Werbeanzeige von Hannes Meyer, das reflektorische Lichtspiel von Kurt Schwerdtfeger und eine Federzeichnung von Paul Klee, ‹Teppich›, 1927. Im Erdgeschossraum des Zentrums Paul Klee liegt sie auf dem Tisch vor der ersten freistehenden Wand in einer Reihe mit weiteren Arbeiten von Klee und zwei anonymen Aquarellen, die er aus Tunesien mitgebracht hat. Textilmuster von Anni ­Albers werden auf Postamenten mit Plexihauben gezeigt. Von der Decke sind Arbeiten von Sheila Hicks und Leonore Tawney abgehängt, Protagonistinnnen des Fiber Art Movement, die auf indigene Faserkunst der Andenkulturen Bezug nehmen. Die hier suggerierte Werkstattsituation ist charakteristisch für die Gesamtstimmung der Ausstellung, die vom Leitungsduo zusammen mit Fabienne Egelhöfer eingerichtet und um Werke der Schweizer Protagonisten Klee, Johannes Itten und Hannes Meyer sowie zeitgenössische Positionen ergänzt wurde. Die Materialien sind als Elemente einer Feldforschung ausgebreitet. Besonders greifbar wird dieser Ansatz im Kapitel ‹Learning From›: Schwarz-Weiss-Filme und ein Leporello zur ‹Fabrica da Pompeia› in São Paulo führen in die Arbeitsweise der in Italien geborenen Architektin, Städteplanerin und Redaktorin der Zeitschrift ‹Habitat› Lina Bo Bardi ein. Ihr fundamentaler Einsatz als «arquitetta» und das mikrokolonialistische Moment ihres Engagements werden historisch aufbereitet. Dazu dienen Dokumente von Künstlergruppen, die sich in den Sechziger- und Siebgzigerjahren selbst ermächtigten, ihre Geschichte zu schreiben, sowie eine konzeptuelle Arbeit von Paulo Tavares. Er eignet sich das Originallayout und die Bildstrecke der Ausgabe 7 (1952/53) von ‹Habitat› an und tauscht den historischen Text durch einen wissenschaftlichen Beitrag aus, mit dem der indigene Stamm der in Zentralbrasilien lebenden Karajà zu einem Zeitpunkt vorgestellt wird, wo die Mehrheit vom brasilianischen Staat enteignet und umgesiedelt wurde: «Des-Habitat».
Teil der Ausstellung ist ein umfangreiches Begleitprogramm, das auch die heutige Produktion von Keramik und Textilien in der Schweiz thematisiert. Diese Vermittlung trägt dazu bei, die Institution über eine zeitgenössischen Reflexion der Moderne zu positionieren und in zukunftsfähige Kooperationen einzubinden. 

Jusqu'à 
12.01.2020

→ ‹bauhaus imaginista›, Zentrum Paul Klee, bis 12.1.; Gesprächsreihe: Keramikdesign heute, 30.11., Schauplatz Bauhaus, 14.12. ↗ www.bauhaus-imaginista.org www.zpk.org

expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
bauhaus imaginista 20.09.2019 - 12.01.2020 exposition Bern
Schweiz
CH

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