Kunsträume — Die Sattelkammer, ein dynamischer Treffpunkt im Universitätsquartier

Blond & Gilles in Kooperation mit Andrina Bollinger · Clap Clap Therapy II, 2019 (o.); Patrizia Vitali · ­Centrifugal Field, 2019 (u.); beide im Rahmen des Performanceweekends ‹All Eyes On Us›, 2019

Blond & Gilles in Kooperation mit Andrina Bollinger · Clap Clap Therapy II, 2019 (o.); Patrizia Vitali · ­Centrifugal Field, 2019 (u.); beide im Rahmen des Performanceweekends ‹All Eyes On Us›, 2019

Blond & Gilles in Kooperation mit Andrina Bollinger · Clap Clap Therapy II, 2019 (o.); Patrizia Vitali · ­Centrifugal Field, 2019 (u.); beide im Rahmen des Performanceweekends ‹All Eyes On Us›, 2019

Blond & Gilles in Kooperation mit Andrina Bollinger · Clap Clap Therapy II, 2019 (o.); Patrizia Vitali · ­Centrifugal Field, 2019 (u.); beide im Rahmen des Performanceweekends ‹All Eyes On Us›, 2019

Fokus

Der Kunstraum Sattelkammer zählt zu den lebendigsten Kunstorten in Bern, wobei er sich nicht nur als Plattform für Ausstellungen versteht, sondern den Austausch über Gattungsgrenzen pflegt. Die transparente Raumsituation prägt dabei, auch im übertragenen Sinn, das vielfältige Programm.

Kunsträume — Die Sattelkammer, ein dynamischer Treffpunkt im Universitätsquartier

Im Juni befragte Hamed Rashtian (*1984, Teheran) in Videoporträts die Verbindung von Aufwachsen und sexueller Orientierung. An einem regnerischen Oktoberabend wird das Publikum in den Dunst von Räucherstäbchen gehüllt, während eine virale Internetbotschaft in Bild und Wort den Steinaltar von Raissa Angeli (*1986, Nicosia) ziert: Die Gruppenschau ‹Don’t Look Back in Anger› zelebriert humorvoll das Sich-Wohlfühlen. Wenn ein ‹Engelseminarblatt› von Anand Angarag (*1988, lebt in Berlin) mit ‹3 x Aphorismen der Engelmanifestation› aufliegt, will man doch gleich ein solches abhalten! Die Sattelkammer in der Länggasse ist ein Ort, wo das Publikum mit rund 17 Ausstellungen pro Jahr und einem dichten Begleitprogramm ganz unterschiedlich angesprochen und herausgefordert wird. Die Spanne reicht von Performances zum ­‹Science Talk›, bei dem Expertinnen und Experten Fachgebiete wie Schneckenforschung oder Astrophysik ausserhalb ihrer Institutionen diskutieren. Sichtbarkeit und Durchlässigkeit prägen die zwei Räume mit Fensterfronten bereits baulich, weshalb die «ortsspezifische Neukreation und Kontextualisierung der entwickelten Werke» wie auch «diskursive Präsentationsformate» angestrebt werden. Der Kunstraum Sattelkammer grenzt sich als «alternativer Raum für zeitgenössische Kunst und Diskurs» bewusst vom kunstneudeutschen Offspace ab. Im Kuratorium sind Myriam Gallo, Selina Hofer, Samuel Rauber und Yvonne Lanz, alles Kunstschaffende und -vermittelnde, ergänzt von der Sozialanthropologin ­Nathalie Neeser. Zum Programm machen alle Vorschläge, und eine gemeinsame Auswahl wird getroffen. Danach kuratiert jeder und jede «seine» ausgewählten Kunstschaffenden eigenverantwortlich. Trotz Vielstimmigkeit eint die Gruppe das Interesse am Experiment mit Formaten und Raum, sagt Gallo, die seit 2016 dabei ist und mit Lanz zusammen den Ort, der 2013 als Atelierverein entstanden war, professionalisierte. Kern bilden die Formate ‹Solo/Duo/Trio›, in dem Kunstschaffende allein oder gemeinsam ausstellen – und so Neuentdeckungen ermöglichen –, sowie ‹Enter›, das nomadisierenden Initiativen Platz bietet. Jährlich angefragte Förderung bei Pro Helvetia, Stadt und Kanton Bern ermöglicht im Wesentlichen das vielseitige, über Bern hinaus bekannte Programm – sind zwei Drittel der Positionen doch ausserkantonal oder gar international. Im Dezember wird der vielversprechende Medienkünstler Pascal Lund-Jensen (*1995, lebt in Bern) im Format ‹Solo› zu sehen sein.

Adrian Dürrwang, Kunsthistoriker, freier Autor und Lehrer, lebt in Bern. a_duerrwang@hotmail.com

 

Kunsträume — Die Reihe wird realisiert mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.
www.sattelkammer.be

Publicité