Rudolf Blättler — Skulptur

Rudolf Blättler · Mann, 2015, Bronze, Ausstellungsansicht Nidwaldner Museum, Winkelriedhaus. Foto: Christian Hartmann

Rudolf Blättler · Mann, 2015, Bronze, Ausstellungsansicht Nidwaldner Museum, Winkelriedhaus. Foto: Christian Hartmann

Rudolf Blättler · Weib, 1998, Bronze, Ausstellungsansicht Nidwaldner Museum, Winkelriedhaus. Foto: Christian Hartmann

Rudolf Blättler · Weib, 1998, Bronze, Ausstellungsansicht Nidwaldner Museum, Winkelriedhaus. Foto: Christian Hartmann

Besprechung

Seit über fünfzig Jahren beschäftigt sich Rudolf Blättler mit dem Menschen und versucht, ihm über den Prozess der plastischen Formfindung näherzukommen und ihn zu verstehen. Innerhalb dieser Suchbewegung entstehen Skulpturen, die eine eigenständige Lebendigkeit aufweisen.

Rudolf Blättler — Skulptur

Stans — Noch bevor man die Eintrittsformalitäten absolviert hat, stellt sich einem im Eingangsbereich ein mattschwarzer Torso in den Weg. Kopf-, bein- und armlos markiert der mächtige Rumpf eine einnehmende Präsenz in einem Zwischenraum; unmittelbar, nackt und zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit changierend. Geschaffen wurde die Skulptur von Rudolf Blättler (*1941), der sich innerhalb seiner künstlerischen Tätigkeit als Bildhauer, Maler und Zeichner seit 1965 mit dem Wesen des Menschen auseinandersetzt. Dabei interessiert er sich für die widersprüchlichen Fragen in Bezug auf das Menschsein und nutzt Referenzen zu Mythologie, Religion und Kulturgeschichte. Das Nidwaldner Museum hat dem aus Kehrsiten am Fusse des Bürgenstocks stammenden Künstler ein retrospektives Heimspiel eingerichtet, wobei elf Skulpturen aus verschiedenen Schaffensphasen den Innen- und Aussenraum des Winkelriedhauses bevölkern. Beim Ausstellungsrundgang wird man mit den solitär gesetzten Figuren konfrontiert und merkt dabei schnell, dass die visuelle und emotionale Wahrnehmung einen hohen Stellenwert erhält. Was die Kuratorin Patrizia Keller als eine «innewohnende Ambivalenz» beschreibt, zeigt sich bei der Betrachtung der Arbeiten von Rudolf Blättler, die eine von Zeit und Geduld geprägte Kontemplation einfordern. Man ist sich nie ganz sicher, ob es sich bei den Figuren – gefertigt aus Gips und Bronze – um eine ausgeprägte Weiblichkeit oder Männlichkeit handelt, denn Blättlers Suche und sein Hineindenken in die plastischen Darstellungen des menschlichen Körpers erfolgen aus einer archetypischen, einem Urbild verpflichteten Sichtweise. Trotz der markanten Hände und Füsse sowie der korpulent-muskulösen Körpervolumen versprühen die Figuren eine gewisse Leichtigkeit und sind nuanciert in Bewegung versetzt. Zu keinem Zeitpunkt kippen Blättlers nackte Skulpturen in eine aufreizende Erotik, sondern verbreiten vielmehr eine eindrückliche Anmut. Im modernen Pavillon des Winkelriedhauses stehen drei Figuren jüngeren Schaffensdatums, deren Gestaltung eine Entwicklung hin zu vermeintlicher Vermenschlichung erkennbar werden lässt, da die expressive Archaik offensichtlich filigraneren Gesichtszügen gewichen ist. Die Dreiergruppe – zwei Männer auf weissen Sockeln und eine stehende Frau – strahlt eine körperliche Standhaftigkeit aus, die durch die präzise Verortung im Raum verstärkt wird und eine dialogische Erzählweise zwischen den Figuren evoziert. 

Jusqu'à 
09.02.2020
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Rudolf Blättler – Skulptur 28.09.2019 - 09.02.2020 exposition Stans
Schweiz
CH
Artiste(s)
Rudolf Blättler
Auteur(s)
Michael Sutter

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