Fred Boissonnas

Fred Boissonnas · Le Parthénon après l’orage, 1907, Bromsilbergelatineabzug, blau getont und auf Karton montiert, 27,9 x 38,7 cm, Sammlung Nicolas Crispini

Fred Boissonnas · Le Parthénon après l’orage, 1907, Bromsilbergelatineabzug, blau getont und auf Karton montiert, 27,9 x 38,7 cm, Sammlung Nicolas Crispini

Fred Boissonnas · Mer de Sicile à Tunis, vague et reflet argenté, 1912, Glasnegativ, 13 x 18 cm, Bibliothèque de Genève

Fred Boissonnas · Mer de Sicile à Tunis, vague et reflet argenté, 1912, Glasnegativ, 13 x 18 cm, Bibliothèque de Genève

Hinweis

Fred Boissonnas

Genf — Für die Documenta 14 hatten Adam Szymczyk und sein Team unter anderem das Verhältnis Deutschlands zum antiken Griechenland befragt. Kritisch wurde angesprochen, wie mit Johann Joachim Winckelmann – der Griechenland nota bene nie bereist hatte – ein weit ins 20. Jahrhundert hineinwirkender Philhellenismus aufkam und wie das Konstrukt Klassizismus zur Projek­tionsfläche nationalistischen Denkens wurde. Fred Boissonnas (1858–1946), als Genfer eher der frankophonen Antikenrezeption zugewandt, kam in diesem kuratorischen Narrativ nicht vor. Sein hochästhetisches fotografisches Œuvre, das derzeit im Musée Rath mit Fokus auf sein Wirken rund ums Mittelmeer zu bestaunen ist, weist aber durchaus Parallelen dazu auf. An der Seite des Kunstpublizisten und Genfer Beaux-Arts-Direktors Daniel Baud-Bovy, mit dem er seit 1903 mehrere Griechenlandreisen unternommen hatte, brach Boissonnas Ende Juli 1913 zum Olymp auf. Ihr Ziel, den 2917 Meter hohen Hauptgipfel, als dessen Erstbesteiger sie seither gelten, erreichten die begeisterten Alpinisten und ihr lokaler Begleiter wenige Tage später. Vom Ereignis samt etwas verfrüht zum Flattern gebrachter Schweizerflagge zeugen diverse Exponate. Zu diesen gehört auch die berühmte Nahansicht des ‹Pic Vénisélos›, wie die Freunde den Gipfel zu Ehren von Eleftherios Venizelos, dem Begründer des modernen Griechenland und einem glühenden Vertreter der nationalistischen Expansionsidee, tauften. Wie die Alpen übernahm also auch der Olymp identitätsstiftende Funktion. Und so reihte sich die Aufnahme ein in die grandiosen, in der Ausstellung ebenfalls zu bewundernden Glasplattenfotografien der Akropolis-Kampagne von 1908, die Philhellenisten in ganz Europa – in Genf etwa der Kreis um Émile Jaques-Dalcroze und Adolphe Appia, später auch Le Corbusier und Ozenfant in Paris – ebenso freudig rezipierten wie die Propagandisten der griechischen Grossmachtpolitik.
Seit 2003 ist dieser Bilderschatz im Umfang von 12’500 Abzügen und 4500 Negativen hellenisches Kulturgut. Rund 200’000 weitere Bildträger erwarb die Stadt Genf. Glücklich ergänzt um private Leihgaben umreisst die daraus getroffene Auswahl nun auch die Grossprojekte auf den Spuren des Odysseus und des Augustinus von 1912 und 1914 mit Victor Bérard respektive Louis Bertrand sowie die Reisen durch Ägypten (1929) und den Sinai (1933). Kein Zweifel: Boissonnas beherrschte sein Fach. Hohen Aufwand scheute er weder vor Ort noch beim Anfertigen seiner Abzüge und als Verleger opulenter Folianten. Die luxuriöse Inszenierung des Musée Rath trägt dem Rechnung. 

Jusqu'à 
31.01.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Fred Boissonnas 08.11.2020 - 31.01.2021 exposition Genève
Schweiz
CH
Artiste(s)
Fred Boissonnas
Auteur(s)
Astrid Näff

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