Luigi Archetti — Die Stofflichkeit von Klang

Luigi Archetti · Partituren, 2018, Serie (Töne, Kartoffeldrucke), Kunstharzfarbe und Pigmentdruck auf Zeitschrift, 29,7 x 21 cm; Noten I, 2018, 5-teilig, Kunstharzfarbe, Acrylfarbe, Siebdruck, 160 x 140 cm; Mic Drop, 2020, Mikrofone, Ständer, Teppiche, Kabel, Ausstellungsansicht Kunsthalle 8000 Wädenswil

Luigi Archetti · Partituren, 2018, Serie (Töne, Kartoffeldrucke), Kunstharzfarbe und Pigmentdruck auf Zeitschrift, 29,7 x 21 cm; Noten I, 2018, 5-teilig, Kunstharzfarbe, Acrylfarbe, Siebdruck, 160 x 140 cm; Mic Drop, 2020, Mikrofone, Ständer, Teppiche, Kabel, Ausstellungsansicht Kunsthalle 8000 Wädenswil

Luigi Archetti · Rauschen I, 2020, Partituren, Ölfarbe auf Leinwand, 240 x 280 cm; Musik für Staub (Trio), 2020, Installation, Ausstellungsansicht Kunsthalle 8000 Wädenswil

Luigi Archetti · Rauschen I, 2020, Partituren, Ölfarbe auf Leinwand, 240 x 280 cm; Musik für Staub (Trio), 2020, Installation, Ausstellungsansicht Kunsthalle 8000 Wädenswil

Besprechung

Anlässlich des unlängst verliehenen Kunstpreises der Telos Stiftung richtet die neu gegründete Kunsthalle 8000 in Wädenswil Luigi Archetti eine Einzelausstellung aus, in der sein facettenreiches Werk hervorragende Umgebungsbedingungen zur Entfaltung erfährt.

Luigi Archetti — Die Stofflichkeit von Klang

Wädenswil — Obschon experimentelle Musik den Kern von Luigi Archettis Praxis ausmacht, ist hier der Akzent auf die haptischen und installativen Arbeiten gelegt. Mit dieser Entscheidung rückt auch das Verhältnis zwischen den Genres, also die Verknüpfung von sonorem und visuellem Kosmos ins Blickfeld. Archetti (*1955, Brescia)beschreibt dies sehr treffend mit dem Bild eines Zentrums, von dem tangentiale Bewegungen ausgehen. So kommen im ersten Raum mit den ‹Partituren (Töne, Kartoffeldrucke)›, 2018 und ‹Noten›, 2018, zwei Werkgruppen zusammen, in denen Notation, Notenbilder und Schallwandlung ins Bildhafte übertragen werden. Insbesondere die ‹Partituren› rufen mit ihren rhythmisierten, reduzierten Formen und den begleitenden Solfeggio-Bezeichnungen unmittelbar das Auditive wach. Sei es die Erzeugung von Tönen durch Berührung einer Saite, sei es ein Tonabdruck – die Blätter scheinen zu klingen bzw. Klang scheint in ihnen konserviert zu sein. Effektiven Sound liefert dann die zum Trio ausgebaute Installation ‹Musik für Staub (Kreisförmig)›, 2020. An jeder der bunten, sich langsam drehenden Scheiben ist eine Metallkette befestigt, die über die Saiten der halb darunter liegenden E-Gitarre streicht. Die individuelle Stimmung jedes Instruments sorgt für aufeinander abgestimmte Akkorde, wodurch ein quasi rotierender Klang entsteht, der wie im Loop in den Raum ausschwingt.
Überhaupt: Klänge entstehen in diesen Arbeiten nicht durch das Spielen eines Instruments – konkret einer Gitarre. Vielmehr werden Saiten und Resonanzkörper von Archetti so in Position gebracht, dass sie aus sich selbst heraus zu agieren scheinen. In der 3-Kanal-Videoprojektion ‹Apodemica I–III›, 2020, tritt der Künstler als «Handler» seiner Gitarren auf, setzt sie Wind und Wetter, architektonischen Begegnungen und der Landschaft aus. Die schwarz gekleidete Figur bringt das Instrument «in Stellung» und wartet wie eine «offene Antenne» (LA) auf den entstehenden Klang, der zwischen feinsten, fast gehauchten Tönen und brummigen, manchmal schrammenden Kaskaden oszilliert. Hier von einer «situativen Musik» zu sprechen, erscheint nur folgerichtig, sind doch die schwarz-weiss gedrehten Videos jeder Projektion an einem anderen Ort – in Norwegen, Maine und Zürich – entstanden. Der ständig changierende «Dreiklang» orchestriert den Raum, lenkt die Aufmerksamkeit der Besucher*innen vor allem akustisch. Die Blicke versuchen mit dem Klang Schritt zu halten, das Gehör sucht nach dem zugehörigen Bild. Kurz gesagt: Die Ausstellung beglückt durch Augensausen und Ohrenschmaus!

Jusqu'à 
14.02.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Luigi Archetti, Rauschen 07.11.2020 - 14.02.2021 exposition Wädenswil
Schweiz
CH

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