Nomaden auf Zeit

Abdellah Azizi · Nomaden auf Zeit – Bilder einer Familie aus Marokko, Farbfotografien, Courtesy Historisches und Völkerkundemuseum

Abdellah Azizi · Nomaden auf Zeit – Bilder einer Familie aus Marokko, Farbfotografien, Courtesy Historisches und Völkerkundemuseum

Abdellah Azizi · Nomaden auf Zeit – Bilder einer Familie aus Marokko, Farbfotografien, Courtesy Historisches und Völkerkundemuseum

Abdellah Azizi · Nomaden auf Zeit – Bilder einer Familie aus Marokko, Farbfotografien, Courtesy Historisches und Völkerkundemuseum

Hinweis

Nomaden auf Zeit

St. Gallen — Der Pastoralnomadismus als jahrhundertealte, gesellschaftliche Wirtschaftsform von Hirtenvölkern ist in vielen Regionen der Welt heute am Aussterben. Politische, ökonomische oder kulturelle Veränderungen sind die Ursache. Viele Nomaden gehen nun einer partiellen oder ganz sesshaften Arbeits- und Lebensweise nach. Die Ausstellung im Völkerkundemuseum St. Gallen veranschaulicht eindringlich die Kultur einer der letzten Familien aus der nomadischen Ethnie der Aït Atta in Marokko.
Die Präsentation fusst auf einem ethno­archäologischen, wissenschaftlichen Projekt des Archäologen und Ausstellungsmachers Thomas Reitmaier und seines Teams. Dafür begleiteten sie zusammen mit dem marokkanischen Fotografen Abdellah Azizi die siebenköpfige Familie von Brahim und Touda auf ihrer Wanderung vom Winterlager im Jbel Sarhro auf die Sommerweiden im Hohen Atlasgebirge.
Im Zentrum der Schau steht das rekonstruierte, aus Kamel- und Ziegenhaar bestehende Zelt der Familie mit Koch- und Essgeschirr, Decken, Kleidung, Teppichen, Gefässen für Öl, Wasser, Datteln und Tee sowie Zucker. Plastiksäcke und ein Solarpanel zum Laden des Handys auf dem Dach bezeugen, wie Zeitgenössisches im Traditionellen Einug gehalten hat. Daneben wird der Lebensalltag der Familie feinfühlig fotografisch und zeichnerisch dokumentiert. Nichts Romantisierendes ist dabei, wenn der Fotograf mit seiner Canon die ins Licht gerückten Protagonisten auf ihren beschwerlichen Märschen in kargen, wüstenartigen Landschaften auf bis zu 3300 Höhenmetern einfängt. Das wenige Hab und Gut tragen Maultiere und Dromedare. Eindrücklich sind die Momentaufnahmen der Schaf- und Ziegenherden – des einzigen wertvolle Besitzes; eindrücklich auch, wie Brahim die Wolle der rund 200 Tiere schert, wie die Frauen auf dem Boden lange Stoffbahnen weben und wie das bunte Treiben der Viehhändler auf einem Markt vonstattengeht. Die Schlussbilder überlassen es dem Publikum, die ­nomadische gegenüber der sesshaften Lebensweise einzuschätzen: Der älteste Sohn, der den Sinn des nomadischen Lebens zwischen Viehherden, herausfordernden Wanderungen, einem entbehrungsreichen Dasein nie ganz einsah, erhält nun eine Schulbildung. Dennoch stimmt der immense Verlust dieser mündlich überlieferten Tradition, des Wissens um handwerkliche Techniken und des symbiotischen Zusammenlebens mit den Tieren nachdenklich.

Jusqu'à 
03.01.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Nomaden auf Zeit 09.05.2020 - 03.01.2021 exposition St. Gallen
Schweiz
CH

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