Ugo Rondinone — Nonnen und Mönche

Ugo Rondinone · nuns + monks, Ausstellungsansicht Galerie Eva Presenhuber, Maag-Areal, Zürich, 2020. Foto: Stefan Altenburger

Ugo Rondinone · nuns + monks, Ausstellungsansicht Galerie Eva Presenhuber, Maag-Areal, Zürich, 2020. Foto: Stefan Altenburger

Ugo Rondinone · nuns + monks, Ausstellungsansicht Galerie Eva Presenhuber, Maag-Areal, Zürich, 2020. Foto: Stefan Altenburger

Ugo Rondinone · nuns + monks, Ausstellungsansicht Galerie Eva Presenhuber, Maag-Areal, Zürich, 2020. Foto: Stefan Altenburger

Besprechung

Seine Arbeiten verlocken und faszinieren und gehen zugleich mit einem Gefühl der Gefahr, des Gefangenwerdens einher. Ugo Rondinone, in New York lebender und global agierender Künstler aus dem Kanton Schwyz – ein Meister des Deliriums, zeigt neue Arbeiten in Form ­einer suggestiven, starken Rauminstallation.

Ugo Rondinone — Nonnen und Mönche

Zürich — Zwischen- und Stellwände wurden entfernt, um einen übersichtlichen gros­sen Ausstellungsraum zu schaffen. Tritt man über dessen Schwelle, ist man mit einem befremdlichen Universum konfrontiert. Raum und Zeit scheinen anders zu takten. Rundum mit einem matten grauen Anstrich versehen, sind die üblichen räumlichen Koordinaten nivelliert zugunsten einer wattig-unfassbaren Atmosphäre, die eher inneren Vorstellungsbildern als einem klaren perspektivischen Raum entspricht.
Sieben mächtige, an archaische Monumente erinnernde Figuren sind locker in dem guckkastenähnlichen Gebilde verteilt. Sämtlich sind sie auf die Frontseite, den Eingang ausgerichtet, als schauten sie, wer den Raum betritt, als seien es Wächter, die den Zugang zu einem sakralen Bereich bewachen. Bis auf den Eingang ist der Raum verschlossen, denn die fünf kleinen, an den Wänden befestigten Fenster aus Aluminiumguss bieten keinen Ausblick an, sondern gewähren nur einen Schimmer, eine Art Spiegelung. Die Fenster tragen Titel, die an Caspar David Friedrich erinnern, den Maler, dessen einsame Figuren einer übermächtigen und die eigene Auflösung nahelegenden Natur gegenüberstehen. Schwellenfiguren sind auch Rondinones ‹Nuns and Monks›. Knapp drei Meter hoch muten sie in ihrer elementaren Wucht wie Relikte aus einer Vorzeit an. Dem widerspricht allerdings die Buntheit, mit der Körper und Köpfe je einfarbig versehen sind – als hätten die bedrohlichen Gestalten einen poppigen Anstrich erhalten, als würden sie mit forcierter Heiterkeit bedacht, um uns zu verführen, sie als Spielfiguren zu betrachten, die man auf einem Spielfeld hin und her schieben kann.
Pate für Rondinones, von Kalksteinen abgeformte Riesen könnte neben Caspar David Friedrichs schmalem Mönch Auguste Rodins ‹Balzac› sein. Denn wie unter dem kuttenartigen Gewand des französischen Dichters scheint auch in Rondinones Kolossen eine grosse Kraft und – teilweise heftige – Gestik versteckt. Im Unterschied zum ‹Balzac› allerdings wirken die Nonnen und Mönche in ihren Kutten eigenartig gefangen, als sei nicht nur ihre Gestik, sondern zugleich der umgebende Leerraum ausgegossen. Es ist, als würde den Körpern der Raum genommen, als würde der Raum zum Schweigen gebracht. Bleiern und klaustrophobisch wirken die einzelnen Arbeiten, geradezu wie eine Gruft die Gesamtinstallation. Eine tödliche Atmosphäre herrscht, auf die wir uns aufgrund ihres heiteren Scheins – wie auf den Lockruf einer Droge – mit schauderndem Vergnügen einlassen. 

Jusqu'à 
19.12.2020
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Ugo Rondinone: nuns + monks 12.09.2020 - 19.12.2020 exposition Zürich
Schweiz
CH
Auteur(s)
Brita Polzer
Artiste(s)
Ugo Rondinone

Publicité