Der ideale Standard

Andrea Zittel · A-Z Living Unit, 1994, Courtesy Zeppelin Museum. Foto: Tretter

Andrea Zittel · A-Z Living Unit, 1994, Courtesy Zeppelin Museum. Foto: Tretter

Erika Hock · Salon Tactile, 2018, Courtesy Zeppelin Museum. Foto: Tretter

Erika Hock · Salon Tactile, 2018, Courtesy Zeppelin Museum. Foto: Tretter

Hinweis

Der ideale Standard

Friedrichshafen — Holz. Edelstahlprofile. Rollen. Eine fahrbare Kiste. Kompakt wie die Frankfurter Küche von Margarethe Schütte-Lihotzky. Mit ein paar Handgriffen lässt sich diese Kiste in eine komplette Wohneinheit mit Liege- und Sitzflächen aufklappen – Badezimmerspiegel, Kochnische und Bücherregal inbegriffen. Diese ‹1994 A–Z Living Unit› von Andrea Zittel (*1965, Escondido, USA) verweist auf die in den Neunzigerjahren beginnende Globalisierung. Reicht heute zum Arbeiten ein Rollkoffer mit Laptop, genügt folgerichtig zum Wohnen dieses portable, autonome Lebensbiotop. Wesentlich grösser war das im Zweiten Weltkrieg leider zerstörte ‹Hotel Nord-Sud 1932−1934› der weitgehend unbekannten kroatischen Architektin Petra Andrejova-Molnár (1899–1985). Von diesem Bau sind nur noch Pläne und einige Modelle übrig, gehoben in akribischer Arbeit durch die in Bratislava geborene Künstlerin Katarina Burin. Oder ist alles nur erfunden und erzählt und modelliert und gezeichnet? Sind wir Zeuge, wie ein lange vergessener Schatz gezeigt wird, oder sind wir Teil eines «Artistic Research»-Projekts, das den Finger auf die patriarchalisch geprägte Geschichtsschreibung der Moderne legt? Das Zeppelin Museum inszeniert glücklicherweise keine weitere historische Erzählung zum 100-Jahr-Jubiläum des Bauhauses. Man begreift diese Institution vielmehr als ein bis heute offenes Projekt und präsentiert eine spekulative Auseinandersetzung in fünf Positionen mit zeitgenössischen Utopien, wie sie in einem Bauhaus von heute verfolgt werden könnten. Wer darauf in die empfehlenswerte Zeppelin-Ausstellung wechselt – das Billett gilt für alle Teile des Museums – wird den Bogen schliessen können: Das Luftschiff LZ129, im massstabgetreuen Teilnachbau zu erkunden, ist seinerzeit durch das Atelier Breuhaus im Bauhaus-Stil ausgestattet worden, nachdem der Werkbund sich nicht mit dem «englischen Blümchenmuster» der Einrichtung des LZ127 hatte anfreunden können. Und schliesslich ist auch das Haus selbst ein heute als herausragend anerkannter Vertreter der Neuen Sachlichkeit. Der ursprünglich als Hafenbahnhof konzipierte und substanziell restaurierte, durch einen lichten Annex erweiterte Bau wurde 1933 just einen Monat nach der erzwungenen Schlies­sung des Bauhauses eröffnet. Es liegt ein schön gemachter Katalog als ‹offizielles Magazin› auf, dessen manchmal etwas gar vielfältige Typografie sich auf die Schriften des Bauhauses bezieht.

Jusqu'à 
28.04.2019
Institutionentrier par ordre décroissant Pays Ville
Zeppelin Museum Allemagne Friedrichshafen
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Ideal Standard. Spekulationen über ein Bauhaus heute 30.11.2018 - 28.04.2019 exposition Friedrichshafen
Deutschland
DE
Artiste(s)
Erika Hock
Andrea Zittel
Auteur(s)
Thomas Schlup

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