Stefan Banz — Prepare Yourself to Deal with a Miracle

Stefan Banz · Prepare Yourself to Deal with a Miracle, November 7, 2018, Acryl auf Leinwand, 63 x 63 cm

Stefan Banz · Prepare Yourself to Deal with a Miracle, November 7, 2018, Acryl auf Leinwand, 63 x 63 cm

Besprechung

Ein Konzeptkünstler, der zu Pinsel und Acrylfarben greift, um ­Moderne und Gegenwart auszuloten – das klingt ambitioniert, Stefan Banz macht aus diesem Unterfangen in seinen konzeptuellen Gemälden ein anspielungsreiches und ästhetisch reizvolles Abenteuer.

Stefan Banz — Prepare Yourself to Deal with a Miracle

Porrentruy — Worüber spricht man, wenn scheinbar alles gesagt ist? Nein, das ist keine Smalltalk-Frage. Obwohl sie sich natürlich auch in diesem Zusammenhang denken liesse. Doch es geht um Essenzielles: Was bedeutet Kultur, was bedeutet Kunstproduktion, wenn eine mächtige Erneuerungswelle abebbt? Stefan Banz (*1961) macht diese Fragen zu einem der Angelpunkte eigenen bildnerischen Schaffens. Er taucht – um im Bild zu bleiben – tief in die Woge der Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts und erschafft Bilder, die ebenso klar auf die Kunstgeschichte Bezug nehmen wie auf gegenwärtige Ereignisse und Diskurse. ‹Prepare Yourself to Deal with a Miracle›, 2018, zitiert Picasso, allerdings in jener unterkühlten, den Gegenstand weitgehend auflösenden Banz’schen Malweise, die augenzwinkernd zu fragen scheint: «Ach, Sie mögen es lieber abstrakt?» Das Bildmotiv ist in eine Art Spielfeld eingebettet, das an ‹Eile mit Weile› erinnert und das als Kommentar auf die ironieverliebte Postmoderne oder auf Kunst generell gelesen werden kann. ‹From the Ballad of Affection›, 2018, zeigt drei Frauenfiguren à la Hodler, die im hellen Hintergrund zu verschwinden scheinen, und eine männliche Figur, die Bruce Naumans Neon-Kosmos entsprungen scheint und die sich gerade einen Tritt in den Unterleib einfängt. Machismo? #MeToo? Hodler-Jahr? Von allem ein bisschen und noch weit mehr. Die Ausstellung in Porrentruy konzentriert sich auf den Maler Banz und zeigt eine Auswahl von Bildern aus den letzten zwei Jahren. Kern aller Arbeiten ist die Auseinandersetzung mit dem Themenbereich Original und Kopie, Kunstgeschichte und Kunstproduktion. Zentrale Bedeutung kommt Marcel Duchamp zu, mit dem sich Banz eingehend befasst hat. In einer Bildserie hat er Personen porträtiert, die Duchamp unterstützt und begleitet haben, bspw. Henri-Pierre Roché, den Autor des von Truffaut verfilmten Romans ‹Jules und Jim›. Ein Konzeptkünstler thematisiert mit den Mitteln der klassischen Malerei den Übervater der Konzeptkunst. Allein dieser Ansatz steckt so voller List, Lust und Tücke, dass man lange darüber nachdenken und sprechen könnte. Es gehört zur Wesensart der Banz’schen Bilder, dass sie an der Oberfläche leicht fassbar scheinen, darunter aber, wie ein Wasserzeichen, ein dichtes Netz an Anspielungen, Verweisen tragen. In der Kombination verschiedener Serien und Formate entsteht eine Ausstellung, die visuell anregend und intellektuell gehaltvoll ist. Und die überdies einen Raum im Miniaturformat umfasst, in dem die Kuratoren der Ausstellung ausstellen. 

 
Jusqu'à 
31.03.2019
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Stefan Banz 09.02.2019 - 31.03.2019 Ausstellung Porrentruy
Schweiz
CH
Artiste(s)
Stefan Banz
Auteur(s)
Alice Henkes

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