Valentin Carron — eröffnet die neue Galerie von Eva Presenhuber

Valentin Carron · Flesh and Wool, 2020, Lindenholz, Emailfarbe, 20,5 x 890 x 2 cm; Ausstellungsansicht Galerie Eva Presenhuber, Zürich / New York. Foto: Stefan Altenburger

Valentin Carron · Flesh and Wool, 2020, Lindenholz, Emailfarbe, 20,5 x 890 x 2 cm; Ausstellungsansicht Galerie Eva Presenhuber, Zürich / New York. Foto: Stefan Altenburger

Valentin Carron · The Shelter, 2020, Öl auf MDF, Ausstellungsansicht Galerie Eva Presenhuber, ­Zürich / New York. Foto: Stefan Altenburger

Valentin Carron · The Shelter, 2020, Öl auf MDF, Ausstellungsansicht Galerie Eva Presenhuber, ­Zürich / New York. Foto: Stefan Altenburger

Besprechung

Die Einweihung des neuen Standorts von Eva Presenhuber an der Rämistrasse, in Fussdistanz vom Kunsthaus, stiess auf ein breites Echo. Die drei kleinen, aber feinen Stockwerke waren gut besucht. Eröffnet wurde die ­Galerie mit einer Einzelausstellung des Westschweizer Künstlers Valentin Carron.

Valentin Carron — eröffnet die neue Galerie von Eva Presenhuber

Zürich — Der international beachtete Walliser Valentin Carron (*1977, Martigny) ­gehört zu denjenigen Künstlern, die mit ihrer Kunst nicht provozieren, doch spielerisch den ­aktuellen Diskurs aufgreifen. Seine Werke sind nicht aufdringlich laut, sondern offenbaren sich in Schichten. Seine Schau in den neuen Räumen von Eva Presenhuber fällt zunächst durch ihre minimalistische Szenografie auf. Beim Eintreten erblickt man etwa ein Wandelement aus grobfasrigem, massivem MDF. Teil der Architektur oder ein Kunstwerk? Natürlich ist es Letzteres, und offenbar nahm es der Künstler nicht zu genau, als er mit der Säge die Platte bearbeitete. Doch just das sichtbar Handwerkliche verleiht dem Werk seine inhaltliche Dimension, denn Carron hat es zudem als MDF-Trompe-l’œil übermalen lassen. Fragen nach Originalität und Wertigkeit charakterisieren die Schau. Wenn im Untergeschoss zwei Bilder an der Wand hängen und ein Tisch mit zwei Aschenbechern im Raum steht, wähnt man zunächst, die Bilder seien wertvoller und aufwändiger produziert worden als die Gegenstände. In Wahrheit aber stellen Aschenbecher und Tisch eine Installation aus Eisen und bemalter Bronze dar – und tatsächlich steht das Arrangement in seiner visuellen Klarheit den Bildern in nichts nach … Die Hierarchie zwischen Kunsthandwerk, ­hoher Kunst und industriellen Objekten wird aufgelöst. Der interessanteste Aspekt jedoch ist die Frage nach Authentizität und Autorschaft, die Carron durch die handwerkliche Bearbeitung von Alltagsgegenständen und öfter auch durch die Aneignung bestehender Kunstwerke aufgreift. Damit ist er nicht der Erste, denn längst gilt der Künstler nicht mehr als einsamer Schöpfer, der seine Ideen aus dem unbeeinflussten Selbst zieht. Vielmehr soll er heute seine Inspirationsquellen, Erfahrungen und Referenzen offenlegen. Neues ist nicht zwingend. So schafft auch Carron keine Originale und ist dennoch in jedem seiner Werke präsent. Besonders deutlich wird dies in ‹Flesh and Wool› – einem langen hölzernen Arm, der in zwei Hände mündet, die in fingerlosen blauen Handschuhen stecken, wie sie der Künstler angeblich selbst trägt. In der übereck laufenden Wandinstallation scheint einen das Kunstwerk beziehungsweise der Künstler zu umarmen. Als Valentin Carron am Tag nach der Eröffnung die Galerie betritt, wo sich eine Handvoll Besucher und Besucherinnen aufhält, tut er dies unauffällig: Er schiesst ein Foto, begibt sich ins Untergeschoss – als wäre er Gast der eigenen Schau. Sympathisch wirkt er, ohne Allüren, authentisch, wie seine zehn Werke.

Jusqu'à 
29.02.2020
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Valentin Carron 25.01.2020 - 29.02.2020 exposition Zürich
Schweiz
CH
Artiste(s)
Valentin Carron
Auteur(s)
Eva Vögtli

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