Laura Mietrup — Spaziergang im Schattenriss

Laura Mietrup · Entree, 2022, Ausstellungsansicht ‹Traverse›, Kunsthaus Baselland. Foto: Gina Folly

Laura Mietrup · Entree, 2022, Ausstellungsansicht ‹Traverse›, Kunsthaus Baselland. Foto: Gina Folly

Laura Mietrup · Traverse, 2022 (Wand); Ohne Titel, 2022 (Objekt), Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland. Foto: Gina Folly

Laura Mietrup · Traverse, 2022 (Wand); Ohne Titel, 2022 (Objekt), Ausstellungsansicht Kunsthaus Baselland. Foto: Gina Folly

Besprechung

Laura Mietrup erhält im Kunsthaus Baselland ihre erste grössere Einzelausstellung. Mit gekonnter Präzision entwirft die junge Baslerin aus geometrischen Formen eine theatrale Szenerie, die ein erfrischendes Assoziationsspektrum zwischen Realität, Imagination und Abstraktion auffächert.

Laura Mietrup — Spaziergang im Schattenriss

Basel/Muttenz — Mit einem scheibenähnlichen, weissen Objekt auf schwarzer Wand beginnt die aktuelle Ausstellung im Annex des Kunsthaus Baselland geheimnisvoll. Die makellose Oberfläche des Reliefs verrät nichts über dessen Materialität, und seine Formensprache oszilliert zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit: Eine Maske? Die Verschalung einer technischen Vorrichtung? Wie eine Hüterin am Eingang zu einer anderen Welt prangt das runde Etwas vor der ebenfalls schwarz bemalten Eingangsschleuse zum Saal, den ich schliesslich erwartungsvoll betrete.
Als Gewinnerin des Wettbewerbsformats ‹Solo Position›, das jährlich vom Kanton Basel-Landschaft ausgeschrieben wird, gestaltet Laura Mietrup (*1987) hier ihren ersten grossen Auftritt. Die einst gelernte Rahmenvergolderin schliesst in Bern gerade ihr Masterstudium in Kunst ab und fiel jüngst in Gruppen- und Jahresausstellungen auf. Sie meistert den nicht ganz einfachen, gestreckten Gebäudeteil des Kunsthauses mit einer Betonung seiner Länge durch eine scharfkantige Wandmalerei, die uns zu Flaneur:innen vor einer kryptischen Kulisse macht. Gegen viel schwarze Fläche zeichnen sich in Weiss – ähnlich wie wenn man nachts durch dunkle Stras­sen geht – Konturen von Fenstern, Geländern oder Treppen ab. Hie und da bricht im ersten Raum sattes Orange oder Pastellgrün den scherenschnitthaften Kontrast, und zu den vertrauten architektonischen Elementen gesellen sich retro-futuristisch technoid anmutende Strukturen. Vor dieser imaginierten Fensterfront behauptet im Raum eine gekachelte, «offene Kabine» mit senkrechter Eisenstange Selbstverständlichkeit. Weder zum Duschen noch für Poledance richtig geeignet, versetzt sie uns vom vermeintlichen Aussenraum in ein zwielichtiges Interieur. Im zweiten Raumteil bietet ein glockenähnliches Hängeobjekt einen optischen Widerhaken. Wirklich läuten lässt es sich nicht, und doch übernimmt es in Gedanken eine Meldefunktion – für den Arbeitsrhythmus, einen Alarm –, während die nun hellblau gespickte Szenerie an der Wand uns vielleicht auf den Grund eines leeren Schwimmbeckens versetzt.
Die undurchschaubare Gesetzmässigkeit, mit der die junge Baslerin Bekanntes und Erfundenes, kühle Geometrie und narrative Anspielung kurzschliesst, ist eigenständig, abenteuerlich und einnehmend. Im letzten Raum, wieder schlicht schwarz-weiss gehalten, würde man drum am liebsten im weissen Durchgang am Ende der geländerlosen Balustrade verschwinden und weiter flanieren in Mietrups geheimnisvollem Universum.

Jusqu'à 
27.03.2022
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Laura Mietrup — Traverse 14.01.2022 - 27.03.2022 exposition Basel/Muttenz
Schweiz
CH
Auteur(s)
Deborah Keller
Artiste(s)
Laura Mietrup

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