Ugo Rondinone

Ugo Rondinone · Akt in der Landschaft, 2022, Ausstellungsansicht Belvedere 21, Wien. Foto: Stefan Altenburger

Ugo Rondinone · Akt in der Landschaft, 2022, Ausstellungsansicht Belvedere 21, Wien. Foto: Stefan Altenburger

Ugo Rondinone · Akt in der Landschaft, 2022, Ausstellungsansicht Belvedere 21, Wien. Foto: Stefan Altenburger

Ugo Rondinone · Akt in der Landschaft, 2022, Ausstellungsansicht Belvedere 21, Wien. Foto: Stefan Altenburger

Hinweis

Ugo Rondinone

Wien — Am Boden sitzende, kauernde oder an eine Wand lehnende Figuren – sie sind es, die Ugo Rondinones Werk (*1964, Schweiz) immer wieder durchziehen. Dienten früher fette Clowns, wie in der Einzelausstellung in der Kunsthalle Wien, 2002, oder weibliche Models für Sinnbilder von Verlorenheit und utopische Sehnsüchte, so sind es heute puppenhaft wirkende Tänzerinnen und Tänzer, sogenannte Nudes oder Akte, die in der weiten Halle des Belvedere 21 in unterschiedlichen Körperhaltungen verstreut herumsitzen. Sie scheinen erschöpft von vorangegangener Anstrengung, sind in sich gekehrt und ruhen in perfekter Selbstbezüglichkeit. Ihre Körper bestehen aus patchworkartig zusammengesetzten Wachsabgüssen mit bis zu zwanzig Einzelteilen, denen Erdpigmente aus mehreren Kontinenten beigemischt wurden, sodass sie in dunklen Blau-, Grau- oder Brauntönen geheimnisvoll schimmern.
Rondinones Nudes sind die verbindenden Elemente, welche die gesamte, auf den ersten Blick nur sparsam bestückte Ausstellung zusammenhalten. Die dominantesten Werke sind zwei monumentale, freistehende Wände von 16 und 18 Metern Breite, die komplett mit Erde überzogen sind, als ob es sich dabei um Farbe handelte. Sie bilden den «landschaftlichen» Rahmen für die Akte. Zwei runde Auslassungen in den Wänden symbolisieren Sonnenauf- beziehungsweise Sonnenuntergang. Allen Arbeiten gemeinsam ist ein Bezug zum kosmischen Kreislauf von Erdteilen, Gestirnen und den auf der Erde lebenden Menschen. Schliesslich sind auch in die verdunkelten Glaswände des Ausstellungsgebäudes, eines luftigen Pavillons, symbolisch «Uhren» aus farbigem Glas integriert – auch sie ein Hinweis auf den kosmischen Tagesablauf.
Das alles mag esoterisch oder kitschig klingen. Tatsächlich ist die Ausstellung weder das eine noch das andere. Ugo Rondinone schafft es, durch seine Versinnbildlichung eines Tagesverlaufs durch skulpturale Setzungen und Besetzungen eine diffuse Stimmung zwischen Andacht und Melancholie zu erzeugen. Die Präzision liegt in den Details, in den Platzierungen und Nuancen der Erdteilpuppen etwa oder in den Schrägstellungen der monumentalen ‹Landscapes›. Das kann man auch schnell hinter sich lassen und zu den dringlichen Fragen von Klimawandel und CO2-Effizienz wechseln, aber immerhin verschafft uns Rondinone eine wohltuende Verschnaufpause aus dem apokalyptischen Katastrophenszenario, die wir ebenso nötig haben wie seine in sich ruhenden Puppen. 

Jusqu'à 
01.05.2022
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Ugo Rondinone 12.12.2021 - 01.05.2022 exposition Wien
Österreich
AT
Auteur(s)
Patricia Grzonka
Artiste(s)
Ugo Rondinone

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