Hans Danuser — Der Fujiyama von Davos

Hans Danuser · Eggberg mit Blick vom Oberschthof, 2017, Teil des Projekts Matographien und Vulkane, 1996–2018. Fotografie digital, 110 x 106 cm, Auflage 9

Hans Danuser · Eggberg mit Blick vom Oberschthof, 2017, Teil des Projekts Matographien und Vulkane, 1996–2018. Fotografie digital, 110 x 106 cm, Auflage 9

Besprechung

Seit den Neunzigerjahren hat Hans Danuser, ein Wegbereiter der neuen Fotografie, mit einer von ihm entwickelten Methode analoge und digitale Fotografie sowie Malerei zu einer ­Synthese gebracht. Die neue Werkserie zeigt nun seine Wandlung vom ­Fotokünstler mit Forscherblick zum malenden Fotografen.

Hans Danuser — Der Fujiyama von Davos

Davos — Die Vorbereitungen für das WEF sind in vollem Gang, als ich in Davos ankomme. Schon von weitem leuchtet mir ein explodierender, Feuer speiender Vulkan entgegen, den Hans Danuser (*1953, Chur) als Wink mit dem Zaunpfahl für das WEF an der Fassade des Kirchner Museum angebracht hat. Vom gegenüberliegenden Grandhotel Belvédère, in dem die meisten Teilnehmenden logieren, hat man eine optimale Sicht auf dieses Symbol für die durch die Globalisierung verursachten Klimaprobleme. Leiser geht es in den Innenräumen des Museums weiter. Fotografien des Eggbergs mit seiner markanten Lawinenverbauung in verschiedensten Licht- und Nebelverhältnissen und die Werkserie von rund 100 ‹Matographien› korrespondieren mit dem grossformatigen Gemälde ‹Tinzenhorn – Zügenschlucht bei Monstein›, 1919/20, von Ernst Ludwig Kirchner. Für beide Künstler bedeuten die Berge zugleich eine künstlerische Herausforderung und ein vielschichtiges Experimentierfeld. Hans Danusers Zyklus ‹Der Fujiyama von Davos› lässt malerische Aktionen mit einer seriellen fotografischen Arbeit verschmelzen und kreist um zeichenhafte Berg- und Vulkanmotive in Kombination mit dem Schriftzeichen «Delta». Dieses Symbol hatte der Zürcher Mathematiker Andrew Barbour anlässlich einer Exkursion nach Graubünden 1991 mit einem Stock in den Schiefersand gezeichnet und ist nun Auslöser von Danusers Vulkan-Projekt. Nachdem er die Zeichnung im Sand fotografiert hatte, verwendete er die Aufnahme in verschiedenen Formen, denen stets dasselbe Negativ zugrunde liegt. Dieses zeigt eine gleichschenklige Dreiecksform als Synthese des Delta-Symbols und der Bergspitzen. Den minimalen Motivvariationen liegen bald blaue Linien zugrunde, bald zeigen sie Schraffuren, die auf die Lawinensperren verweisen, bald sind sie mit roten oder blauen Farbtupfern übersät. Sie rekurrieren auf ein komplexes, von ihm seit den Neunzigerjahren entwickeltes und patentiertes Foto-Farbverfahren, die «Matographie». Mit ihm malte Danuser rote, blaue und violette Linien auf das Foto­papier vor der Beschichtung der fotografischen Schwarzweiss-Emulsion. Daraus ergeben sich Farben, die aus dem Hintergrund hervortreten und das Schwarzweiss durchbrechen. Die Disposition der im grossen Saal versammelten Blätter suggeriert Musik und Rhythmus, das Delta-Zeichen wirkt wie die Bassstimme, über der die Farben ihre Melodien erklingen lassen. Damit reizt Hans Danuser erneut die Grenzen des Mediums Fotografie aus. 

Jusqu'à 
28.04.2019
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Hans Danuser. Der Fujiyama von Davos 25.11.2018 - 28.04.2019 exposition Davos Platz
Schweiz
CH

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