Picasso — Rosa-Blaues Wunder

Pablo Picasso · La Vie, 1903, Öl auf Leinwand, 197 x 127,3 cm, The Cleveland Museum of Art, Schenkung Hanna Fund © ProLitteris. Foto: The Cleveland Museum of Art

Pablo Picasso · La Vie, 1903, Öl auf Leinwand, 197 x 127,3 cm, The Cleveland Museum of Art, Schenkung Hanna Fund © ProLitteris. Foto: The Cleveland Museum of Art

Besprechung

Picassos Werke der frühen Jahre sind von bewegender Schönheit. Existenzielle Fragen spiegeln sich in ihnen und immer dringlicher die Suche nach adäquaten, neuen Ausdrucksformen. Die exquisite, von Raphaël Bouvier kuratierte Schau in der Fondation Beyeler zeigt einen Künstler, der zu sich selbst findet.

Picasso — Rosa-Blaues Wunder

Basel/Riehen — Er firmiert, wie es vor ihm die spanischen Könige getan haben. Und während bei ihnen mit «Yo el Rey» alles gesagt war, heisst es bei ihm im Frühsommer 1901: «Yo Picasso». «Ich, Picasso» – der Name als Verkörperung des Künstlers schlechthin, zu lesen auf dem ganz aus der malerischen Bewegung heraus lebenden, postimpressionistisch-pariserischen Selbstporträt, mit dem die Ausstellung einsetzt. Noch keine zwanzig ist Pablo Ruiz Picasso, aber was er bereits jetzt zu bieten hat, wird ihn von einer künstlerischen Revolution zur anderen führen. Die über siebzig Exponate beweisen es, egal, ob es sich um die handgrosse erste bekannte Skulptur wie ‹Sitzende Frau› oder ein monumentales Gemälde wie ‹Das Leben› handelt. Lauter Gelingen auf dem Weg eines Künstlers, der zum Meister der Moderne wurde. Neun Säle für den jungen Picasso und eine kleine Auswahl dessen, was er in der Blauen und Rosa Periode zwischen 1901 und 1906 geschaffen hat, sowie einiges aus dem Jahr 1907, worin sich das mit Hunderten von Studien vorbereitete, Epoche machende Gemälde der ‹Demoiselles d’Avignon› ankündigt und mit ihm das Abenteuer Kubismus: Da ist alles prägnant gehängt, sodass viel Denkraum bleibt und Raum für die körperliche Erfahrung, die Betrachterinnen und Betrachter zu Mitwirkenden macht. Es geht – so jedenfalls kann man es wahrnehmen – von dieser Nahes und Fernes vereinenden Ausstellung eine grosse, atmende Ruhe aus. Die Schau ist chronologisch gehängt und Picassos Menschenbild das zentrale Thema. Wie es sich verändert, welche Entwicklung der Maler in kurzer Zeit durchläuft und wie sich darin der Kubismus andeutet, wird als kontinuierlicher Prozess gezeigt. Schon im zweiten Saal tauchen, inmitten farbsprühender Menschenbilder des mondänen Paris, die ersten melancholischen Harlekine auf, deren Welt bald in wärmeren Farben leuchten wird. Im grossen dritten Saal hat, ausgelöst durch den Selbstmord des Künstlerfreundes Carles Casagemas, die Farbe Blau ihren monumentalen Auftritt und mit ihr der Blick in den Abgrund des Todes, der Einsamkeit, des Elends, der grossen Lebensrätsel. Zusammenfassen lässt sich da fast nichts, auch nicht später, wenn zum Mitgefühl Zärtlichkeit kommt. Wenn das Erzählerische schwindet, während die Erfahrung des Archaisch-Fremden, Klassischen, des Körpers in seiner nackten Geometrie immer wichtiger wird. Bleibt mein eigenes Erlebnis vor den Werken jener Jahre: Man nimmt sie wie Naturereignisse wahr. 

Jusqu'à 
26.05.2019
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Der junge PICASSO – Blaue und Rosa Periode 03.02.2019 - 16.06.2019 exposition Basel/Riehen
Schweiz
CH
Auteur(s)
Angelika Maass
Artiste(s)
Pablo Picasso

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