Anita Molinero — L’Îlot rouge

Anita Molinero · Sans titre (Floraisons pour Nollopa), 2017, geschmolzene rote PVC-Mülleimer, 428 x 300 x 300 cm, C. Galerie Thomas Bernard, Cortex Athletico, Paris © ProLitteris. Foto: Aline Henchoz

Anita Molinero · Sans titre (Floraisons pour Nollopa), 2017, geschmolzene rote PVC-Mülleimer, 428 x 300 x 300 cm, C. Galerie Thomas Bernard, Cortex Athletico, Paris © ProLitteris. Foto: Aline Henchoz

Anita Molinero · Sans titre (Floraisons pour Nollopa), 2017, geschmolzene rote PVC-Mülleimer, 428 x 300 x 300 cm, C. Galerie Thomas Bernard, Cortex Athletico, Paris © ProLitteris. Foto: Aline Henchoz

Anita Molinero · Sans titre (Floraisons pour Nollopa), 2017, geschmolzene rote PVC-Mülleimer, 428 x 300 x 300 cm, C. Galerie Thomas Bernard, Cortex Athletico, Paris © ProLitteris. Foto: Aline Henchoz

Besprechung

Feuerräder? Schlangen? Zivilisationsabfall? Die dem Schweizer Publikum noch wenig bekannte Französin Anita ­Molinero liebt die grosse, improvisierte Geste. Dafür nutzt sie nebst anderen synthetischen Stoffen bevorzugt Plastik, dieses allein schon begrifflich doppeldeutige Material.

Anita Molinero — L’Îlot rouge

La Chaux-de-Fonds — In der griechischen Antike waren Kunst und Natur noch einfach zu verbinden: in der Hauptrolle meistens ein Gott oder eine Göttin. Heute jedoch, wo jeder noch so entlegene Landstrich ein Kunstschauplatz sein kann, sind die Ansätze zahllos wie Sand oder Plastikgranulat am Meer. Einen sehr eigenen Weg hat Anita Molinero (*1953) mit der fünfteiligen Werkgruppe ‹Floraisons pour Nollopa› beschritten. Die feuerroten Skulpturen sind aus teils intakten, teils mit Gasbrennern traktierten Plastikkübeln der Marke engels.eu zusammengesteckt: Lieblingsobjekte der Künstlerin seit über einem Jahrzehnt. Schlammspuren deuten an, dass die Arbeiten nicht immer im Innenraum standen. Auf Molineros Wunsch ergänzt um einige gemalte Werkstattszenen von Edouard Kaiser (1855–1931), ergeben sie derzeit auch in den Oberlichtsälen des Musée des Beaux-Arts ein kraftvolles Bild. Standardisierung als altbekannter Terminus in Le Corbusiers Geburtsstadt trifft hier auf die im Museum fremde Alltagserfahrung der Müll- oder Grüngutentsorgung. Deren Auffangprodukt wird zum Ausgangsmaterial und dessen pyroplastische Verformung wiederum zum Sinnbild der Umwandlung von Energie als künstlerisches ­Potenzial. Hinzu kommen subjektivere Assoziatione, fröhliche wie Kletterburgen und Lozzi-Würmer, Abwehr erzeugende wie Drachen und Schlangen. Molinero selbst nennt zudem als wichtige Referenz ihre Leidenschaft für Science-Fiction. Entsprungen sind die Werke einer Kooperation des Palais de Tokyo mit dem Schloss Versailles, wo sie anlässlich des fünften Dialogs zeitgenössischer Kunst mit den Gartenanlagen von Le Nôtre im Winter 2017/18 als Teil der Ausstellung ‹Jardin d’hiver› im Bassin du Miroir standen. Ähnlich wie Ugo Rondinones (*1964) benachbarte Arbeit ‹Sol› – ein goldener Kreis aus Bronzeästen, der sich wie einst die Gerüste barocker Feuerspektakel beim Bassin d’Apollon und Le Bruns berühmtem Sonnenwagen erhob – referierten sie auf die Figur Apollons und nutzten deren Metaphorik für mit sicherer Klinge geführte Zeitkritik. Wie Protuberanzen schossen die Gebilde, in deren Titel sich Apollon ebenfalls spiegelt, aus dem Wasser und evozierten den vom Gott getöteten Drachen Python oder eben unsere heutige Monstermaterie: Plastik. Ihre Brandlöcher und -spitzen verweisen aber auch auf das transformierende Feuer, das bei Molinero Werkgrundlage ist und zugleich – wenig apollinisch – soziale Sprengkraft impliziert: im Fall von La Chaux-de-Fonds die im Ausstellungstitel angetippte rote Vergangenheit der Stadt. 

Jusqu'à 
02.06.2019
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Denis Savary, Anita Molinero 10.03.2019 - 02.06.2019 exposition La Chaux-de-Fonds
Schweiz
CH
Artiste(s)
Anita Molinero
Auteur(s)
Astrid Näff

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