Evelyn Hofer

Evelyn Hofer · Queensboro Bridge, New York, 1964, Courtesy Galerie m, Bochum

Evelyn Hofer · Queensboro Bridge, New York, 1964, Courtesy Galerie m, Bochum

Evelyn Hofer · Springtime, Washington, 1965, Courtesy Galerie m, Bochum

Evelyn Hofer · Springtime, Washington, 1965, Courtesy Galerie m, Bochum

Hinweis

Evelyn Hofer

Winterthur — Dank Fotos bekommen auch wir eine Vorstellungen davon, wie es in der (jüngeren) Vergangenheit an einem bestimmten Ort gewesen sein könnte. Die deutsch-mexikanische Fotografin Evelyn Hofer mit Schweizer Wurzeln im Bergell (1922–2009) zeigt uns in ihren ruhig komponierten Aufnahmen einen kosmopolitischen Ausschnitt der Welt. Diese Welt scheint fremd und zugleich altbekannt: Ab den Fünfzigerjahren fotografierte Evelyn Hofer Stadtlandschaften, Räume und Menschen für verschiedene US-amerikanische Magazine wie Vanitiy Fair und Harper’s Bazaar. Erst lieferte sie Beiträge über Mode, später erhielt sie Aufträge zu journalistischen Reportagen, die in ausdrucksstarken Bildstrecken als Editorials veröffentlicht wurden. In dicken Fotobänden zeichnete sie zudem den Kosmos von Grossstädten als Allegorien auf: New York als Bild der «Moderne», Washington DC als das der «Förmlichkeit», Florenz als «Klassik». Hofers Bilder geben eine umfassende Sicht der Dinge über das Leben während einer bestimmten Zeit wieder: Zeitgeistiges, das inzwischen Geschichte geworden ist, lässt sich in der Schau in der Fotostiftung genauestens beobachten. Fixiert in Licht und Schatten sehen wir Momente im Leben von Menschen, die mit offenem Blick in Evelyn Hofers Kamera schauen. So ein schwarzer Junge, dem sie mit ihrer Linhof-Fachkamera am East River in New York gegenübersteht: Der junge Afroamerikaner im roten T-Shirt, blauem Black-Panther-Stirnband und adretten Halbschuhen begegnet ihr mit einem scheuen Blick und zugleich sitzt er entspannt und selbstsicher auf seinem abgestellten Fahrrad. Dieses Bild von1964 wird zum Dokument seiner Zeit: Mit einem neuen Selbstbewusstsein erlebte die schwarze Bevölkerung die Bürgerrechtsbewegung und die damit einhergehende neue «Black Power». In Andy Warhols Wohnung zeigt die Fotografin nicht den Künstler selbst, sondern sein goldenes Schlafzimmer mit all seinen Spleens und Extravaganzen. Hofers farbige Bilder wirken wie Bildnisse und zeigen zugleich Momente der Geschichte: Unter einem rosa blühenden Kirschbaum sitzt ein uniformierter Polizist auf seinem schweren Motorrad, der Mann lächelt unter seinem Helm, als wüsste auch er, dass ein neues Zeitalter der Blumenkinder und des «Summer of Love» anbrechen wird. 

Jusqu'à 
24.05.2020
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
Evelyn Hofer – Begegnungen 29.02.2020 - 30.08.2020 exposition Winterthur
Schweiz
CH
Auteur(s)
Johanna Encrantz
Artiste(s)
Evelyn Hofer

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