Home Stories

elii [oficina de arquitectura], Yojigen ­Poketto Apartment (Küchenzeile und ­Schlafbereich), Madrid, Spanien, 2017. Foto: Miguel de ­Guzmán + Rocío Romero

elii [oficina de arquitectura], Yojigen ­Poketto Apartment (Küchenzeile und ­Schlafbereich), Madrid, Spanien, 2017. Foto: Miguel de ­Guzmán + Rocío Romero

Lina Bo Bardi, Casa de Vidro, São Paulo, ­Brasilien, 1951. Foto: Nelson Kon

Lina Bo Bardi, Casa de Vidro, São Paulo, ­Brasilien, 1951. Foto: Nelson Kon

Hinweis

Home Stories

Weil am Rhein — Wie wohnen wir ­eigentlich? Und was bedeutet Wohnen in Bezug auf gesellschaftliche, politische und technische Entwicklungen? Fragen, denen die Ausstellung ‹Home Stories› im Vitra Design Museum anhand von zwanzig markanten Interieurs aus hundert Jahren und einem sehr guten Katalog nachgeht. Die Bandbreite möglicher Designansätze eröffnet sich in vier Themenbereichen. In ‹Wohnraum als Ressource› sind heutige Ansätze zu sehen, etwa die nachhaltig und gemeinschaftlich sanierten viktorianischen Reihenhäuser von Assemble oder die auf äusserste Effizienz ausgerichtete 33-m2-Wohnung von Elii. Nicht zu vergessen Ikea, das seit 1943 gut gestaltete Produkte für die Massen verfügbar macht und damit gleichzeitig den Trend zu Wegwerfmöbeln beschleunigte. Die Sektion ‹Interieur im Aufbruch› widmet sich Extrempositionen aus den Sechziger- und Achtzigerjahren: Nisho ­Kurokowas aus winzigen standardisierten Wohn- und Arbeitskapseln bestehender Tower findet sich hier ebenso wie Claude Parents ‹schräge Architektur›, Andy Warhols ‹Silver Factory› oder Karl Lagerfelds postmodernes Mobiliar von Memphis. ‹Natur und Technik› verdeutlicht, wie in den Vierziger- und Sechzigerjahren Naturmaterialien und Haushaltsgeräte in den modernen Wohnraum gelangen. Während sich in Jacques Tatis Film ‹Mon oncle› die Maschinen gegen unbedarfte Gäste verschwören, öffnet Lina Bo Bardi den Innenraum und lässt die Grenzen zwischen Wohnung und Natur verschwimmen. Der letzte Raum skizziert ‹Die Geburt des modernen Interieurs› u.a. anhand der Villa Trianon von Elsie de Wolfe, des offenen Grundrisses von Ludwig Mies van der Rohe und des Modulwohnsystems ‹Hexacube›. Inneneinrichtung wurde im Lauf des letzten Jahrhunderts professionalisiert und standardisiert, massentauglich gemacht und gleichzeitig individualisiert und entgrenzt. Enge funktional bestimmte Räume wichen offenen individuell gestaltbaren Wohnlandschaften. Strenge und Verspieltheit wechseln sich immer wieder ab. Durch Homeoffice, Co-Working-Spaces und mobile Büros verbinden sich Wohnen und Arbeiten heute zunehmend. Die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum verschwimmen durch die Präsentation in sozialen Medien. Knapper Wohnraum, Digitalisierung, klimatische Veränderungen und nachhaltige Materialien werden die Räume der Zukunft prägen. Doch davon wird eine andere Ausstellung berichten. Der Katalog deutet manches schon an. 

Jusqu'à 
23.08.2020

→ Vitra Design Museum, bis 23.8.; digitale Angebote: #VDMHomeStories ↗ www.design-museum.de

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