Phyllida Barlow — small worlds

Phyllida Barlow · untitled: pointerbreasts; 2020 (object for a cabinet drawer) lockdown 13, 2020, ­Polystyrol, Gips, Sand, Sperrholz, PVA, 100 x 46 x 59,5 cm, Courtesy Hauser & Wirth

Phyllida Barlow · untitled: pointerbreasts; 2020 (object for a cabinet drawer) lockdown 13, 2020, ­Polystyrol, Gips, Sand, Sperrholz, PVA, 100 x 46 x 59,5 cm, Courtesy Hauser & Wirth

Besprechung
Phyllida Barlow, die Meisterin der gross-ausladenden Form, wurde in der Corona-Zeit zur kleinen zurückgebracht. Nach ­ihrer Ausstellung in der Kunsthalle 2017 zeigt Hauser & Wirth eine Auswahl ihrer brandneuen Kleinplastiken aus dem Pandemie-Jahr – ein vergnüglicher Parcours wider die betrübliche Zeit.
 

Phyllida Barlow — small worlds

Zürich — Um das Absurde hat die Bildhauerin und Installationskünstlerin Phyllida Barlow (*1944) nie einen Bogen gemacht. «Im Laufe der Wochen wurde mir klar», gab sie kürzlich in einem Interview zu Protokoll: «Einfachheit, Geradlinigkeit, ein Minimum an Ehrgeiz, ein Minimum an Ideen, ein Minimum an Innovationsbestrebungen, all das wollte ich einfach loswerden.» So lautet ihre paradoxe Losung, bezogen auf ihre jüngsten Werke aus der Lockdown-Phase des vergangenen Jahrs. Reduktion Ade, willkommen fröhliche Hingabe ans Material.
Aber war das nicht schon immer ihr Credo? Nur dass dies nun im kleinen Format vorgeführt wird? Das Ergebnis ist bis Mitte Mai in einer munteren Parade in den oberen Ausstellungsräumen der Zürcher Galerie Hauser & Wirth zu sehen. Und das ist ein Vergnügen, ein Fest fürs Auge, das zwischen den auf fragilen Stahlsockeln präsentierten Objekten aus bemaltem Sperrholz, Gittergewebe, Gips vor lauter Angeboten kaum Halt finden mag – zuerst vielleicht an der Wand: Auf einer Konsole sitzt zum Beispiel die monochrom sandweisse, gut 50 cm hohe Figur ‹untitled: pointerbreasts; 2020 (object or a cabinet drawer) lockdown 13›. Spielt die Künstlerin auf die konkrete Form Jean Arps an, oder die abstrakte à la Henry Moore? Oder ging es ihr um ein formalistisches, genderkonformes (Selbst-)Porträt oder schlicht um einen Osterhasen?
Auch die weiteren vierzehn im Raum verteilten Kleinplastiken spielen mit solchen Assoziationen, wobei sie sich wie in Stage Sets oder Bühnenbildern mit prekärer Stabilität auf ein ausgewogenes Verhältnis von Material und Form zurückbesinnen, die jede eindeutige Repräsentation zurückweisen. Da gibt das Acrylbild einer Serie am Eingang der Ausstellung, ‹untitled: sodiumlit street object; 2020, 4›, mit einer orange­farbenen Figur vor blauem Grund den Takt vor. Die Figur tritt wieder in der Skulptur ‹untitled: roadblock; 2020 lockdown 17› auf, sechs monumental wirkenden, kaum 30 cm hohen Stützen aus Holz und Zement mit einem einseitig überlappenden Achitrav – Erinnerung an ein expressives Kulissenstück für einen Sandalenfim, an das Brandenburger Tor oder El Lissitzkys Wolkenbügel-Architektur-Utopien.
Doch die Künstlerin will sich hier nicht festlegen lassen, in der Form nicht und inhaltlich schon gar nicht. Ohne jede direkte Referenz zur Kunstgeschichte und ohne Abbildungswillen führen Barlows Bühnen zuerst eines vor: sich selbst. Sie stellen ein Set für Dramolette der materialen Ponderation zur Verfügung, eine Dialog-Plattform zwischen Künstlerin und ihrem Publikum. Eine starke Aufführung! 

Jusqu'à 
14.05.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Phyllida Barlow — small worlds 06.02.2021 - 14.05.2021 exposition Zürich
Schweiz
CH
Artiste(s)
Phyllida Barlow
Auteur(s)
Max Glauner

Publicité