Ulrich Tillmann

Klaus Peter Schnüttger-Webs · Lebensentwurf, o. J., Draht, 3 x 2,8 x 2,5 cm, Museum Ludwig, Büro Zi 302, Abt. Skulptur. Foto: Ulrich Tillmann

Klaus Peter Schnüttger-Webs · Lebensentwurf, o. J., Draht, 3 x 2,8 x 2,5 cm, Museum Ludwig, Büro Zi 302, Abt. Skulptur. Foto: Ulrich Tillmann

Anonymus · Jungbauern auf dem Weg zum Tanz, ca. 1913, aus: Meisterwerke der Fotokunst, Sammlung Tillmann und Vollmer, 1985, Silbergelatine auf Baryt © Tillmann u. Vollmer

Anonymus · Jungbauern auf dem Weg zum Tanz, ca. 1913, aus: Meisterwerke der Fotokunst, Sammlung Tillmann und Vollmer, 1985, Silbergelatine auf Baryt © Tillmann u. Vollmer

Hinweis

Ulrich Tillmann

Köln — Zwischen Satire, Travestie und Institutionskritik bietet der Einzug des legendären Klaus Peter Schnüttger-Webs Museum ins ­Kolumba einen höchst originellen und subversiven Kommentar zum Mechanismus der Legendenbildung in der Kunst. Die Frage ist berechtigt: Hat sich das Kolumba nun das Schnüttger-Webs Museum einverleibt oder verhält es sich eher andersherum? Die Entdeckung der Kunstfigur Klaus Peter Schnüttger-Webs, eines «Träumers und Weltverbesserers», dessen Interessen von «Bauhaus bis Zen-Buddhismus, von Morphologie bis Entomologie, von Akupunktur bis Philosophie» reichten, durch Ulrich Tillmann (1951, Linnich – 2019, Pfäffikon) fand im Jahr 1981 statt. Was folgte, war eine unermüdliche Recherche, der sich Tillmann von nun an widmen sollte und die 1986 im gemeinsam mit Bettina Gruber und Maria Vedder in Köln-Volkhoven eröffneten Klaus Peter Schnüttger-Webs Museum einen ersten Höhepunkt fand. Das Museum für einen Tag – tags darauf wurde es «wegen der enormen Folgekosten» wieder geschlossen – verdankt sich einer ähnlich parasitären Existenz wie sein Namensgeber Schnüttger-Webs. Es wurde nicht nur am selben Tag wie das Kölner Museum Ludwig eröffnet, sondern auch in dessen eigens zu Testzwecken erbautem Modellbau, der sogenannten Simultanhalle. Simulation zur Erprobung der Tragfähigkeit von Zuschreibungen wie Autorschaft, Authentizität und Identität scheint ein Markenzeichen des ausgebildeten Fotoingenieurs und selbsternannten Direktors des Schnüttger-Webs Museum Ulrich Tillmann, der gleichzeitig am Agfa Fotohistorama des Museums Ludwig beschäftigt war. Wie sein Alter Ego Schnüttger-Webs zeichnet er sich durch eine chamäleonartige Wandlungsfähigkeit aus und tritt als Künstler und Architekt, Filmemacher und Bühnenbildner, Fotograf, Komponist und Sammler in Erscheinung. Auch vor der Kamera schlüpft er in immer neue Rollen. Ob huldvoll lächelnd als ­«Ursula von Behrendorff, Leiterin der Klaus Peter Schnüttgen-Webs Stiftung in Buenos Aires bei ihrem Besuch in Köln» oder in der Nachstellung des berühmten Fotos von August Sander ‹Jungbauern auf dem Weg zum Tanz› mit ­Bettina Gruber und Wolfgang Vollmer – ­Tillmann treibt die Verwandlung immer nur so weit, dass die Travestie als solche erkennbar bleibt. In den Schnüttger-Webs-Kosmos haben sich aber durchaus auch sehr eigenständige Arbeiten von Ulrich Tillmann eingeschmuggelt. Frühe Fotografien wie eine berührende Aufnahme aus einer vermutlich kölnischen Gaststätte oder eine umwerfend komische Dokumentation der ‹Heiligen 3 Pömpel› aus der Abteilung Skulptur, ein schräger Foto-Essay über die drei Strassenpoller vor dem Museumsfenster. 

Jusqu'à 
17.08.2020
Institutionen Pays Ville
Kolumba Allemagne Köln
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Ulrich Tillmann: Das Klaus Peter Schnüttger-Webs Museum 06.05.2020 - 17.08.2020 exposition Köln
Deutschland
DE
Auteur(s)
Sabine Elsa Müller
Artiste(s)
Ulrich Tillmann

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