Alfredo Aceto und Denis Savary

Alfredo Aceto und Denis Savary · Ambarabà Ciccì Coccò, 2021, Ausstellungsansicht. Foto: Annik Wetter

Alfredo Aceto und Denis Savary · Ambarabà Ciccì Coccò, 2021, Ausstellungsansicht. Foto: Annik Wetter

Alfredo Aceto und Denis Savary · Ambarabà Ciccì Coccò I–III, 2021; Denis Savary · Le Phare, 2017, Courtesy Galerie Maria Bernheim, Zürich. Foto: Annik Wetter

Alfredo Aceto und Denis Savary · Ambarabà Ciccì Coccò I–III, 2021; Denis Savary · Le Phare, 2017, Courtesy Galerie Maria Bernheim, Zürich. Foto: Annik Wetter

Hinweis

Alfredo Aceto und Denis Savary

St. Gallen — Ein Kinderbuchreim ohne Sinn und doch auf seine Weise sinnvoll, rhythmisch, strukturiert; Buchstaben in einer bestimmten Reihenfolge, ohne wörtliche Bedeutung, aber nicht bedeutungslos: Der italienische Kinderreim ‹Ambarabà Ciccì Coccò› dient Alfredo Aceto (*1991) und Denis Savary (*1981) als Ausstellungsmotto und transportiert perfekt, was die beiden in der Romandie lebenden Künstler antreibt. Sie spielen mit Versatzstücken der heutigen Lebenswelt, verformen sie, kombinieren sie miteinander. Sie nehmen dem Konjunktiv II seine Unmöglichkeit und zeigen, was sein könnte, wenn alles ein bisschen anders wäre, ein bisschen weniger gewohnt, ein bisschen weniger starr. Deshalb sehen Sonnenschirme plötzlich aus wie Schleckstängel, Münder halten Stifte und eine Aubergine verschlingt eine Schaufensterpuppe, begleitet von surrenden Motorgeräuschen – die Welt gibt vieles her, Dada und Surrealismus haben es vorgemacht: Frei von produktiven oder logischen Zwängen lässt es sich gut denken, erst recht im Kollektiv. Aceto und Savary arbeiten nicht nur zusammen, sondern sind offen für die Eingriffe des jeweils anderen in den eigenen künstlerischen Prozess. Dank dieser Arbeitsweise gelingt es ihnen, gemeinsam neue Erzählungen anzustossen. Da werden billig produzierte Bettgestelle von amöbenhaften Glasobjekten umgarnt und finden ihren Widerpart in einer Steinskulptur. Spiegelnde Glasplatten werden zur Wasseroberfläche, eine gebogene Form ist Hydrant, Brunnenrohr und Wasserspeier zugleich. Die unter dem Glas platzierten Bilder verweisen wie der Werktitel auf den ‹Finger Lake› im US-Bundesstaat New York. In jenem See, nahe der Stadt Ithaca, einem früheren Zentrum der Filmindustrie, werden alte Filmrollen vermutet. Wahrheit oder Legende? Wie schön, wenn das nicht entschieden werden muss. Das gilt auch für die norwegischen Stare, die seit Kurt Schwitters’ Aufenthalt im Norden die Ursonate zwitschern können und sie bis heute ihren Nachkommen lehren – vielleicht. Jedenfalls wurde Schwitters’ Lautgedicht für die Ausstellung von zwei Vogelimitatoren mit entsprechenden Notationen für Eule, Kolibri und andere Vögel versehen – auf dass sie den Rhythmus und den dadaistischen Geist in die Welt hinaustragen. 

Jusqu'à 
22.08.2021

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