Dere schöne Aare naa — Die Riviaara ruft

Mickry 3 · Fruchtexpress Zürich–Schlieren, 2019, Mischtechnik, 210 x 310 x 30 cm, Leihgabe der Künstler­innen

Mickry 3 · Fruchtexpress Zürich–Schlieren, 2019, Mischtechnik, 210 x 310 x 30 cm, Leihgabe der Künstler­innen

Ursula Palla · als wir träumten, 2021, Neonleuchtschrift, 90 x 800 x 1,8 cm

Ursula Palla · als wir träumten, 2021, Neonleuchtschrift, 90 x 800 x 1,8 cm

Besprechung

Im Unterschied zur Stadt Bern, wo die Aare schon lange das Zentrum sommerlicher Vergnügungen darstellt, kommt man in ­Olten erst langsam auf den Geschmack des Flusses, der die Stadt durchschneidet. Die Sommerschau des Kunstmuseums belebt die Ufer nun mit Werken, die fast durchgängig heiter stimmen.

Dere schöne Aare naa — Die Riviaara ruft

Olten — Vor nicht allzu langer Zeit standen an der Aare noch Schilder, die warnten: «Wasser verschmutzt! Nicht schlucken! Nach dem Baden abduschen!» Unterdessen ist die Kloake zu einer (meistens) sauberen Lebensader geworden, zu einer Zone von Lust und guter Laune, zur «Riviaara des Mittellandes», wie sie das Berner Mundwerk besingt. Auch in Olten, wo die Aare einst düstere Grenze zwischen zwei sehr unterschiedlichen Stadtteilen war, geht es an den Ufern des Flusses immer mondäner zu, kann man heute baden und promenieren, die Füsse in die Sonne strecken, sich im Chor einen orange leuchtenden Aperitif hinter die Binde spritzen. In das muntere Bild passt auch die Sommerausstellung, die das Kunstmuseum Olten nun an und in der Aare eingerichtet hat. Kaum hat man die düstere Bahnhofsunterführung verlassen, lächelt einem der ‹Fruchtexpress Zürich–Schlieren› entgegen, den die Künstlerinnengruppe Mickry 3 (Nina von Meiss, *1978 / Christina Pfander, *1980 / Dominique Vigne, *1981) am Westufer aufgestellt hat: ein Bötchen mit Ananas, Pflaume und Mango, das von zwei charmanten Rüsseltieren durchs hohe Gras gesteuert wird. Auf der ­alten Holzbrücke ruft eine Leuchtschrift von Ursula Palla (*1961) danach, in unseren Gedanken fortgesetzt oder präambuliert zu werden: «als wir träumten».
Etwas weiter oben am Fluss hat Markus Weiss (*1955) zwei orange Stiegen montiert, die Badenden den Ein- und Ausstieg in die Aare erleichtern sollen. Warnschilder sorgen BAG-konform dafür, dass hier nur ein-, da nur ausgestiegen wird. Ein Augenflattern ähnlicher Art bekommt auch, wer neben dem Aarebistro ans Flussufer tritt. Ausgerechnet hier, wo man die alte Holzbrücke, die Bürgerhäuser und den Stadtturm auf einmal ins Visier nehmen könnte, hängt das Schild von Andreas Hofer (*1956), das uns das Fotografieren untersagen will. Wenn das nicht die Wale zum Brüllen bringt! Nik Zander (*1960) lässt sie gegenüber in einem Pontonierhäuschen singen, vielleicht etwas arg diskret. Hans Thomann (*1957) wiederum verschafft einem Schwan Gehör, der neben dem Freibad vor sich hin dümpelt, dann und wann aber kräftig Wasser in die Runde spritzt. Im Kunstmuseum selbst werden die dreizehn Open-Air-Werke durch zahlreiche Stücke aus der Sammlung ergänzt, die sich mehr oder weniger direkt mit dem Thema Aare verbinden lassen. Wer einen Besuch an der Oltener Riviaara plant, sollte zum kritischen Kunstverstand auch die Badehose packen – und erlebt so mit etwas Glück, was im Freibad eine grosse Buchstabengirlande von Co Gründler (*1967) verspricht: «Just a perfect day». 

Jusqu'à 
01.08.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Dere schöne Aare naa 08.05.2021 - 01.08.2021 exposition Olten
Schweiz
CH
Auteur(s)
Samuel Herzog
Artiste(s)
Mickry3
Ursula Palla

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