Editorial — A work of art without emotion is not a work of art

TITELBILD · Bethan Huws · A work of art without emotion is not a work of art / Are you sure?, 2020/2021, Kunst Museum Winterthur, Schenkung Galerieverein, Freunde Kunst Museum Winterthur © ProLitteris. Foto: Reto Kaufmann

TITELBILD · Bethan Huws · A work of art without emotion is not a work of art / Are you sure?, 2020/2021, Kunst Museum Winterthur, Schenkung Galerieverein, Freunde Kunst Museum Winterthur © ProLitteris. Foto: Reto Kaufmann

Editorial

Editorial — A work of art without emotion is not a work of art

«Are you sure?» Nein, natürlich nicht. Wir sind nie sicher. Weder darüber, ob der hier nicht sichtbare erste Teil der Leuchtschrift auf der gegenüberliegenden Fassade stimmt. Noch über die Richtigkeit all der anderen Aussagen, die uns täglich um die Ohren fliegen. «Sprache ist die elementarste Form von Ausdruck. Sprache ist sehr mächtig, und du kannst Sprache nur mit Sprache bekämpfen», gibt die walisische Künstlerin Bethan Huws kurz nach der Eröffnung ihrer Ausstellung im Kunst Museum Winterthur zu bedenken. Dabei zielt sie nicht nur auf die Bedeutung von Sprache ab, die sich je nach Kontext verändern und neu aufladen kann, sondern vielmehr auch auf ihre ontologische Kraft als primäre menschliche Äusserung, die wir noch vor dem Bildlichen, vor der Musik, vor der Schrift erlernen. «Am Anfang ging es nur um das gesprochene Wort. Sprache ist wie ein Fluss, ein Strom, die Quelle von allem.»
Sprache ist immer Resonanz und Interpretation. Wenn Bethan Huws eines ihrer Schriftbilder in einen Saal mit Gemälden von Wasserfällen hängt, dann legt sie ganz unterschiedliche Fährten. Zu Duchamps ‹Fountain› oder seinem Wasserfall beispielsweise, aber zugleich auch zu Vorstellungen von tosenden Wassermassen, die sich nur brüllend übertönen lassen. Ja, gegen einen Wasserfall kommt man akustisch nicht an. Zwischentöne gehen unter. So zunächst auch gegenüber der Behauptung, die Bethan Huws dem hier abgebildeten Schriftzug voranstellt: «A work of art without emotion is not a work of art.» Wirklich? Schon braut sich im Innern Widerspruch zusammen. Und schon sind wir in einem dialektischen Zwiegespräch, einem emotionalen Ringen zwischen Sinn und Unsinn. Vermutlich hat sie recht: Ein Kunstwerk ist kein Kunstwerk, wenn es keine Emotionen schürt. 

Artiste(s)
Bethan Huws
Auteur(s)
Claudia Jolles

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