Luigi Pericle

Luigi Pericle · Ohne Titel, ohne Datum, Mischtechnik auf Masonit, 80 x 130 cm, Privat­sammlung

Luigi Pericle · Ohne Titel, ohne Datum, Mischtechnik auf Masonit, 80 x 130 cm, Privat­sammlung

Luigi Pericle · Ohne Titel (Matri Dei d.d.d.), 1964, Tusche auf Papier, 60 x 42 cm, Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano

Luigi Pericle · Ohne Titel (Matri Dei d.d.d.), 1964, Tusche auf Papier, 60 x 42 cm, Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano

Hinweis

Luigi Pericle

Lugano — 2018 wurde das Werk von Luigi Pericle (1916–2001) von der Presse als Jahrhundertfund gefeiert. Kurz zuvor hatte das Ehepaar Andrea und Greta Biasca-Caroni dessen Haus mit dem gesamten Œuvre, dem Archiv und der Bibliothek am Fusse des Monte Verità erstanden und das Archiv Luigi Pericle gegründet. Für das jahrzehntelange Verschwinden der zahlreichen Zeichnungen, Gemälde, Recherchen und Schriften gibt es eine Erklärung: Der in Basel geborene und in Ascona verstorbene Künstler hatte in seinem Leben immer wieder radikale Brüche vollzogen. So zog er in den 1950er-Jahren mit seiner Frau Orsolina nach Ascona, um den mystisch-auratischen Vibrationen des Monte Verità näher zu kommen. 1959 zerstörte er bis auf eines all seine figurativen Bilder, um sich fortan auf eine auf das Geistige und Mystische konzentrierte Gegenstandslosigkeit zu konzentrieren. Nach ersten internationalen Ausstellungserfolgen fällte er erneut eine brüske Entscheidung, zog sich vom kommerziellen Ausstellungsbetrieb zurück und stellte seine Werke nie wieder aus. Kunst sollte nicht als Verkaufs- oder Spekulationsobjekt fungieren. Das künstlerische Schaffen soll stattdessen spirituelle Wege zur inneren Ruhe und Ausgeglichenheit weisen, eine Verbindung zu universellen und esoterischen Kräften ermöglichen. Durch Meditation suchte er zur Essenz, dem Ursprung des Wissens und der Form vorzudringen. 1980 folgte dann die nächste und letzte Zäsur, nach welcher der Künstler seine pikturale Praxis ganz aufgab und sich vollends dem Studium der Esoterik, der Mystik, der Anthroposophie und der Ufologie widmete. Neben unzähligen Notizen und Recherchen stellte er 1996 seinen bis auf ein Kapitel nie veröffentlichten Roman fertig: ‹Bis ans Ende der Zeiten – Morgendämmerung und Neuanfang statt Weltuntergang›.
Die derzeitige Retrospektive im MASI Palazzo Reali zeigt die Entwicklung seines Schaffens chronologisch auf. Neben den theosophisch-mystischen Erfahrungen, die sich in seinen dicht geschichteten informalen Gemälden in eher düsteren Tönen sedimentieren, fallen formale Einflüsse von Klee, Michaux oder der Aztekenkunst auf. Die gestischen Tuschezeichnungen und die dichten Ölbilder vermitteln gerade in ihrer bescheidenen Grösse ein hohes Mass an Konzentration und Spiritualität, die sie einem in Abgeschiedenheit lebenden Künstler verdanken, der seine Zeit intensiv zu nutzen wusste.

Jusqu'à 
05.09.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Luigi Pericle 18.04.2021 - 05.09.2021 exposition Lugano
Schweiz
CH
Auteur(s)
Barbara Fässler
Artiste(s)
Luigi Pericle

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