Stephan Wittmer

Stephan Wittmer · House, Clouds and … (I & II) 2019/ 2021, Pigmentdruck auf Textilgewebe (Plüsch), 150 x 200 cm, Unikat

Stephan Wittmer · House, Clouds and … (I & II) 2019/ 2021, Pigmentdruck auf Textilgewebe (Plüsch), 150 x 200 cm, Unikat

Stephan Wittmer · Feuerstelle III, 2021, Pigmentdruck auf Fotopapier auf Aluminium, aufgeschnittenes Ölfass, 28 x 56 cm

Stephan Wittmer · Feuerstelle III, 2021, Pigmentdruck auf Fotopapier auf Aluminium, aufgeschnittenes Ölfass, 28 x 56 cm

Hinweis

Stephan Wittmer

Luzern — Der Fotokünstler erschafft Bilder – an der Wand, im Raum und in uns selbst. Er erzählt Geschichten und erzählt sie doch nicht zu Ende. Eigene und fremde Wahrnehmung verschmelzen und finden gerade im symbio­tischen Einklang ihre Unterschiedlichkeit wieder. Das Medium selbst, die Fotografie, wird hinterfragt. Sichtbares wird zu Unsichtbarem wird zu
Sichtbarem. Und man fragt sich: Woher kommen die Bilder, wohin gehen sie?
Stephan Wittmer (*1957, Erlinsbach) ist Fotokünstler, doch nicht nur. Seine Bilder werden Objekte, werden Körper, werden Raum. Das Digitale wird Physis. Klassische Pigmentdrucke stehen alltäglichen Gegenständen gegenüber. In seinen Arbeiten spannt sich eine synthetische Brücke auf – zwischen Entfremdung und Versöhnung. Kreisläufe und Synchronizitäten werden zur Parametern einer feinstofflichen Suche nach dem (Un-)Möglichen.
Im Raum für Kunst B74 in Luzern, den der Künstler auch als Co-Kurator mitgestaltet, können wir innerlich auf Reisen gehen: ins indigene Amerika. Ursprüngliche Steinbauten mitten in der Wüste. Erde, Himmel, Wolken. Das Reich der heiligen Schlangen. Dies alles hat er auf Plüschdecken gedruckt. An ihren Ecken halten grosse Klammern den Stoff fest und fixieren ihn – zusammen mit zerdrückten Blechdosen – an der Wand. Sie erscheinen wie Relikte einer neuen Materie und zugleich eines vergangenen Seins. Mythen und Magie eines Ortes treten aus der Tiefe an die Bildoberfläche. Der Künstler erfasst sie und lässt sie wieder abtauchen, gibt sie so dem Ort, den er fotografiert hat, wieder zurück. Aber die Kraft der Bilder bleibt an der Membran des Bildträgers haften. Der Blick fungiert als selbständiger Stimmungs­generator. Sinnlichkeit trifft auf nüchterne Studie. Stephan Wittmer holt die Entwicklungsgeschichte vom Ursprung eines Volkes bis zu ihrer Zerstreuung in die Gegenwart hinein. Dabei dehnt sich das Festhalten eines Moments bis an seine äussersten Grenzen aus. Inhalte und ihr verkörpertes Substanzwerden bewegen sich in einem konstanten Wechselspiel. Gleichzeitig wird das Phänomen der Sinneswahrnehmung debattiert. Die Berührung des Körpers konkurriert mit dem, was wir mit den Augen sehen. Was machen Bilder mit uns, wie werden sie Materie und wo werden wir Emotion?
Da gibt es zum Beispiel dieses Efeu, auf das der Ausstellungstitel verweist: ‹Poison Ivy›, giftiges Efeu, es greift die Haut an, macht sie wund. Native Americans nutzen die Pflanze hingegen für das Färben von Textilien. Ein Piktogramm des Künstlers verweist auf die Gefahr. Er sensibilisiert unsere Wahrnehmung. Die Grenze verläuft irgendwo da, wo wir anfangen, nach aussen zu fühlen. 

Jusqu'à 
10.07.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Stephan Wittmer 11.06.2021 - 10.07.2021 exposition Luzern
Schweiz
CH
Auteur(s)
Valeska Marina Stach
Artiste(s)
Stephan Wittmer

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