Yael Davids — Ideale kollektive Körper

Yael Davids · A Reading That Loves, A Physical Act, 2017, Ausstellungsansicht Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Giuseppe Micciché

Yael Davids · A Reading That Loves, A Physical Act, 2017, Ausstellungsansicht Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Giuseppe Micciché

Yael Davids · Lying black pigmented clay with Graciela Gutiérrez Marx, 2021; Vanishing Point, 2020; Leaning glass and black pigmented clay with Ferdinand Hodler, 2021, Ausstellungsansicht Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Giuseppe Micciché

Yael Davids · Lying black pigmented clay with Graciela Gutiérrez Marx, 2021; Vanishing Point, 2020; Leaning glass and black pigmented clay with Ferdinand Hodler, 2021, Ausstellungsansicht Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Giuseppe Micciché

Besprechung

Die Arbeiten der israelischen Künstlerin Yael Davids nehmen in ihrer Soloschau im Migros Museum bewusst eine vermittelnde Rolle ein. Durch den engen Dialog mit Werken weiterer ausgewählter Kunstschaffender erprobt sie im Sinne der Feldenkrais-Methode, ob Kunst mit dem Körper erfahren werden kann.

Yael Davids — Ideale kollektive Körper

Zürich — Der Raum wirkt ruhig; Stoffbahnen trennen Stationen aus weiss bemaltem Holz und Glas. Die Blicke des Publikums werden zum Boden oder an die Decke geführt und gleiten den Textilien entlang, bis sie von Glasplatten gebrochen werden. Die raumfüllende Installation der Künstlerin Yael Davids (*1968) trägt den Titel ‹A Reading That Loves, A Physical Act›, 2017, und führt die Biografien dreier historischer Frauen zusammen, die Davids mit Collagen, Gedichten und einer Totenmaske ehrt. Letztere zeigt das Gesicht der Dichterin Else Lasker-Schüler (1869–1945), über dem eine Glasplatte gegen die Wand gelehnt ist, während die Gipsskulptur seitlich ungeschützt bleibt. Damit spielt Davids auf die Art und Weise an, wie Museen Artefakte und Kunstwerke behandeln und ausstellen. Sie setzt sich in ihrem Schaffen auf ungewöhnliche Weise mit Institutionen und ihren Sammlungen auseinander.
So ist auch ‹One Is Always a Plural› im Migros Museum für Gegenwartskunst zwar als Soloschau angelegt, erprobt jedoch das Ideal des kollaborativen Arbeitens und Lernens, indem die Künstlerin ihre Werke vor allem in einer verbindenden Funktion einsetzt. Diese Methode knüpft an ihre künstlerische Forschung rund um die Frage an, welche Rolle die ganzheitliche Körpertechnik Feldenkrais im Ausstellungsraum spielen kann. Basierend auf deren Grundprinzipien hat Davids Werke aus der Sammlung ausgewählt und im Ausstellungsraum vereint. Damit werden sie Teil ihrer performativen Praxis, in der Besucherinnen und Besucher Kunst nicht nur sehend, sondern auch durch Bewegung ihrer Körper erfahren können. Ganz im Sinne von ‹One is Always a Plural› versteht Davids den Körper als Gefäss für persönliche und kollektive Erinnerungen und als Ort für Verschränkungen von individuellen und gesellschaftlichen Anliegen. So werden ihre Werke zu einer Art Trägerstruktur, die anderen künstlerischen Positionen eine Plattform bietet und Vielstimmigkeit ermöglichen soll.
Die Schau wird durch Räume ergänzt, die als «Schule» bezeichnet sind und wo auch Feldenkrais-Lektionen angeboten werden. Diese können als Kernelement betrachtet werden, das versucht, die auf den ersten Blick abstrakte Konzeption der ­Installation fassbar zu machen. Der Begriff Schule verpasst dem Ganzen einen ­etwas didaktischen Beigeschmack und überlässt es dem Publikum, ob es sich auf das Experiment einlassen oder sich reserviert durch die plötzlich streng erscheinende Ausstellungschoreografie bewegen will. 

Jusqu'à 
05.09.2021
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Yael Davids — One Is Always a Plural 22.05.2021 - 05.09.2021 exposition Zürich
Schweiz
CH
Artiste(s)
Yael Davids
Auteur(s)
Gianna Rovere

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