Force discrète — Der Kunstkredit Basel-Stadt

Miriam Cahn · Das blaue Haus, 1992, Pigmentfarbe, schwarze Schulkreide auf Papier, 200 x 200 cm, Ankauf 1996

Miriam Cahn · Das blaue Haus, 1992, Pigmentfarbe, schwarze Schulkreide auf Papier, 200 x 200 cm, Ankauf 1996

Tobias Madison · Dream House NYC, 2018, Epson Sure Colorprint, aufgezogen auf Aludibond, pink­farbenes Plexiglas, 95 x 120 cm, Ankauf 2018

Tobias Madison · Dream House NYC, 2018, Epson Sure Colorprint, aufgezogen auf Aludibond, pink­farbenes Plexiglas, 95 x 120 cm, Ankauf 2018

Besprechung

1919 wurde der Kunstkredit Basel-Stadt als Instrument zur ­Förderung zeitgenössischer Kunst gegründet. Hundert Jahre später werden die aktuellen Werkbeitragsempfänger/innen in der Kunsthalle gezeigt, die Sammlung geht online und die strukturelle Weiterentwicklung ist aufgegleist.

Force discrète — Der Kunstkredit Basel-Stadt

Basel — Den Basler Kunstverein und die Kunsthalle gab es schon, als der Kunstkredit angesichts der prekären Lage nach Ende des Ersten Weltkriegs begann, aus städtischen Mitteln zeitgenössische Künstler zu unterstützen. Immer wieder wurde diskutiert, ob Bedürftigkeit oder Qualität bei der Vergabe der Werkbeiträge entscheidend sei und wie der Ankaufsetat einzusetzen sei. Zwischen 1997 und 2007 wurde das Mandat geklärt: Die wichtigsten, regionalen künstlerischen Positionen sollen dokumentiert, gefördert und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zusätzlich sollen die Vorgaben und die Sammlungsstrategien dynamisch überprüft werden. Diese Prozesse verliefen parallel zur Gründung der Liste 1996, der Entwicklung der Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung, der Eröffnung des Schaulagers 2003 sowie der «Nordtangente» – eines der grössten Infrastrukturprojekte der Stadt, in die das zeitgenössische Kunstschaffen unmittelbar involviert war. Als 1996 ‹Das blaue Haus› von Miriam Cahn angekauft wurde, lagen ihre nächtliche, unbewilligte Zeichnungs-Aktion ‹Mein Frausein ist mein öffentlicher Teil› am Autobahnteilstück und ihr Beitrag ‹Das wilde Lieben. Frauen, Frauenträume, Etat de guerre› bei der Venedig Biennale 1984 einige Jahre zurück. Sie hatte sich in ‹Sarajevo› mit Krieg auseinandergesetzt und gerade damit begonnen, nach kohlebasiertem Zeichnen mit Kreiden und Pigmenten auf Papier zu arbeiten. Zehn Jahre später ging eine jüngere Generation Kuratoren und Galeristen – Adam Szymcyzk, Philipp Kaiser und Meyer Riegger – auf sie zu. An das von Cahn eingeforderte «Rahmenverbot», um das «Rohe» der Arbeit zu bewahren, haben sich auch die Kuratoren des Kunstkredits gehalten, als sie für die Werkpräsentation ein Dienstgebäude des Kantons zur Verfügung stellten. Cahn selbst hat jüngst eine eigene Stiftung, das «magazzino cahn», gegründet. Mit dem Launch der Sammlung Online werden zehn Prozent der Werke erstmals in einer Bearbeitungstiefe zugänglich, die für Sammlungskataloge Standard sind, Links zu SIK-ART inklusive. Teil der Werkseiten ist bspw. bei Tobias Madisons ‹Dream House NYC VIII› die Information, dass dieser hochpigmentierte Print Teil einer Werkgruppe ist, die in Referenz zu La Monte Youngs Installation geschaffen und erstmals 2018 in New York gezeigt wurde. Dank einer Verschlagwortung werden bei Suche inhaltliche Bezüge erschlossen. Im Jubiläumsjahr arbeitet der Kunstkredit bei der Präsentation der Werkbeiträge mit Elise Lammer als externe Kuratorin zusammen, die im Setting des ‹Blind Date› als «Kupplerin» auftritt und ihre Praxis reflektiert.

Jusqu'à 
01.09.2019

→ ‹Blind Date›, Jahresausstellung des Kunstkredits Basel-Stadt, Kunsthalle Basel, bis 1.9.; Podium Sammlung Kunst Online, Stadtkino Basel, 14.11., 18–20 Uhr ↗ www.kultur.bs.ch/kunstkredit

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