Friedrich Dürrenmatt

Friedrich Dürrenmatt · Kopfstudien zu ‹Die Panne›, 1977, Tusche auf Papier, 29,5 x 20,1 cm, Court. CDN/Schweizerische Eidgenossenschaft

Friedrich Dürrenmatt · Kopfstudien zu ‹Die Panne›, 1977, Tusche auf Papier, 29,5 x 20,1 cm, Court. CDN/Schweizerische Eidgenossenschaft

Friedrich Dürrenmatt · Das Arsenal des Dramatikers (Selbstporträt), 1960, Tusche (Feder) auf Papier, 25,2 x 17,8 cm, Coll. Jakob & Phillip Keel, Court. CDN/Schweizerische Eidgenossenschaft

Friedrich Dürrenmatt · Das Arsenal des Dramatikers (Selbstporträt), 1960, Tusche (Feder) auf Papier, 25,2 x 17,8 cm, Coll. Jakob & Phillip Keel, Court. CDN/Schweizerische Eidgenossenschaft

Hinweis

Friedrich Dürrenmatt

Neuenburg — Wie sieht er aus, der Textilvertreter Alfredo Traps, für den eine Autopanne dazu führt, dass er sein ganzes Leben und Streben infrage stellen muss? Jeder und jede hat bei der Lektüre von Friedrich Dürrenmatts Erzählung ‹Die Panne› ein Bild im Kopf, angeregt durch den Text oder auch durch eine der Verfilmungen. Auch Dürrenmatt hatte beim Schreiben ein Bild des selbstgefälligen Ehrgeizlings Traps im Kopf – und nicht nur im Kopf. Der Autor skizzierte seinen Traps auch als Schnauzbartträger mit verbissenem Blick aus eng stehenden Augen. Und nicht nur Traps: Dürrenmatt zeichnete das gesamte Personal der Erzählung: Richter Wucht mit markanter Nase und Monokel oder Henker Pilet, dessen breites Doppelkinn beinahe gemütlich wirkt und damit im Kontrast steht zum seltsam leeren Blick. Zu sehen sind die Kopfstudien zu ‹Die ­Panne›, 1977, in der Ausstellung ‹Das Arsenal des Dramatikers›. Immer wieder zeigt das Centre Dürrenmatt in Wechselausstellungen Zeichnungen und Bilder von Friedrich Dürrenmatt und würdigt so seine bildnerische Begabung. Die aktuelle Schau rückt jetzt besonders nahe an den Doppelbegabten heran und veranschaulicht, wie eng bei ihm Schreiben und Zeichnen verbunden waren. Wenn Dürrenmatt an seinem breiten Schreibtisch sass (der im Rahmen von Führungen besichtigt werden kann), Varlins ‹Heilsarmee› im Rücken und vor sich ein Panoramafenster mit Blick auf den Neuenburgersee, dann habe er stets zwei Stapel Papier vor sich gehabt, sagt die Direktorin Madeleine Bet­schart. Ein Papierstoss diente zum Zeichnen, der andere zum Schreiben. Kam er mit dem Schreiben nicht voran, so zeichnete er. Stockte er beim Zeichnen, so schrieb er. Und oft bearbeitete er die gleichen Fragen und Themen sowohl zeichnender- als auch schreibenderweise. Künstler und Autor befruchteten sich wechselseitig. Bei der bildnerischen Auseinandersetzung mit seinen Stoffen blieb Dürrenmatt allerdings nicht beim raschen Zeichnen und Skizzieren. Die Ausstellung zeigt zahlreiche Beispiele dafür, wie er sich auch visuell gestaltend in ein Sujet vertiefen konnte. Er malte Figuren oder Entwürfe für Bühnenbilder mit farbiger Tusche und Gouache. Oder er griff zum Linolmesser, um die Titelfigur der musikalischen Komödie ‹Frank der Fünfte› zu gestalten. Kritischer Kopf, der er war, machte er auch vor der ironischen Hinterfragung des eigenen Tuns nicht halt. Besonders schön zeigt das die Tuschzeichnung ‹Das Arsenal des Dramatikers›, die ihn, die Hände in den Hosentaschen, vor einem Regal voller Köpfe, Hände, Füsse zeigt, aus denen er seine Figuren zusammensetzt. 

Jusqu'à 
25.09.2022
expositions/newsticker Date Type Ville Pays
Friedrich Dürrenmatt – Das Arsenal des Dramatikers 28.05.2022 - 25.09.2022 exposition Neuchâtel
Schweiz
CH
Artiste(s)
Friedrich Dürrenmatt
Auteur(s)
Alice Henkes

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