Kurze Karrieren im Museum Moderner Kunst

Konrad Lueg · Betende Hände, 1963, Kaseintempera auf Leinwand, 120 x 100 cm, © Konrad Fischer Galerie, Düsseldorf/VBK Wien 2004

Konrad Lueg · Betende Hände, 1963, Kaseintempera auf Leinwand, 120 x 100 cm, © Konrad Fischer Galerie, Düsseldorf/VBK Wien 2004

Besprechung

Das Wiener Museum Moderner Kunst zeigt zwölf Künstlerinnen und Künstler (oder Gruppen), die alle in den sechziger und siebziger Jahren tätig waren und darüber hinaus noch etwas Weiteres gemeinsam haben: Sie alle sind aus der Kunst wieder ausgestiegen.

Kurze Karrieren im Museum Moderner Kunst

Wenn üblicherweise jede monografische Ausstellung implizit als identitätsstiftendes Statement gelesen werden kann, so zäumt die von Susanne Neuburger und Hedwig Saxenhuber kuratierte Präsentation «kurze Karrieren» ihren Gegenstand gleichsam vom anderen Ende her auf. «Kurze Karrieren» verweist nicht vereinheitlichend auf künstlerische Positionen und deren Artikulationsformen, sondern macht vielmehr gerade auf Brüche in den Entwürfen kreativen Denkens und Selbstverständnisses aufmerksam. Die Gründe und Motivationen für einen Ausstieg aus der Kunst sind vielfältig: So wechselte der Künstler Konrad Lueg 1967 die Seiten und den Namen und wurde Galerist in Düsseldorf (als Konrad Fischer), um später seine Kollegen Gerhard Richter und Sigmar Polke, bzw. Ad Reinhardt oder Robert Ryman auszustellen. Er selber malte eigenwillig plakative Sujets in Pop-Art-Manier wie betende Hände oder führte in den legendären «Demonstrationen für den kapitalistischen Realismus» zusammen mit Gerhard Richter durch das Düsseldorfer Möbelhaus Berges. Charlotte Posenenske (*1930-1985) produzierte minimalistische Skulpturen, die in Dialog mit dem Aussenraum treten und einem ökonomischen Prinzip ? auch was die Materialien betrifft ? unterworfen sind. Posenenske schrieb 1968 in einem künstlerischen Manifest, dass es ihr schwer falle, sich «damit abzufinden, dass Kunst nichts zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen kann». Was für sie in der Konsequenz bedeutete, nach ihrem Ausstieg Soziologie zu studieren. Der jugoslawische Konzept-Künstler Goran Trbuljak (*1948) wurde in den achtziger Jahren Kameramann, nachdem er sich in seinen künstlerischen Arbeiten kritisch mit Problemen des Ausstellungswesens beschäftigt hatte.

So wie bei Trbuljak scheint der Ausstieg aus der Kunst bei einigen der vertretenen KünstlerInnen bereits angelegt, wo nicht, hilft eine Dokumentation sich zu orientieren. Aus den präsentierten Biografien können sicherlich keine übergreifenden Kriterien von Künstlerkarrieren abgeleitet werden, genauso wenig, wie in diesem Rahmen von Kategorien wie «Wiederentdeckung» gesprochen werden kann. Es stellt sich daher daraus eine Reihe von interessanten, paradoxen Fragen für den Ausstellungsbetrieb. Etwas, das durchaus in der Intention mancher der vertretenen KünstlerInnen gelegen haben dürfte.

Jusqu'à 
31.07.2004

Publicité