Markus Weiss in der Staub Galerie für zeitgenössische Kunst

Markus Weiss · Was weiss ich, was ich weiss, was ich weiss, 2004,
Ausstellungsansicht Galerie Staub (g*fzk!)

Markus Weiss · Was weiss ich, was ich weiss, was ich weiss, 2004,
Ausstellungsansicht Galerie Staub (g*fzk!)

Besprechung

Eine Malerei unter dem Titel «Malen nach Zahlen» zu subsumieren ist meistenfalls nicht als Kompliment zu verstehen. Im Falle der neueren Bilder von Markus Weiss erhält dieses Urteil allerdings Zertifikatcharakter. Die Motive seiner im positivsten Sinne stimmungsvoll zu nennenden Malerei bezieht der Künstler aus dem Computer.

Markus Weiss in der Staub Galerie für zeitgenössische Kunst

Hier programmiert Weiss rätselhaft-geheimnisvolle Räume, durch die er sich mit der Maus bewegt, sich umsieht, spannende Ausblicke fixiert und auf aktuell überkörpergrosse Leinwandformate überträgt. Dieses Vorgehen erinnert an Sience-Fiction-Filme wie «Die phantastische Reise» oder «Tron». Während in ersterem ein U-Boot auf Stecknadelkopfgrösse miniaturisiert und in die Blutbahn eines komatösen Patienten injiziert wird, um eine Operation am Gehirn vorzunehmen, schrumpft in letzterem der User eines Computers auf Bit-Grösse, um sich fortan innerhalb seines Computers und dessen digitaler Strukturen zu bewegen und gegen das Böse zu behaupten. Bei Markus Weiss entstehen aus vergleichbaren spielerischen Grundideen keine Handlungen, sondern Bilder.

Auf seiner Suche innerhalb der eigenen Computerwelten beweist Markus Weiss ein Auge für funktionierende Räume. Diese werden malerisch ganz klassisch aufgebaut, gleichzeitig aber nimmt Weiss mit hauchdünnem und teilweise haarfeinem Farbauftrag die Mittel der Malerei zurück, indem er ihre Spuren tilgt. Den Motiven bleibt damit ein Stück ihrer artifiziellen Herkunft erhalten, wenngleich die gewaltige Farbenpracht der Leinwände mit der kläglichen Bildschirmpräsenz eines 72-dpi-gepixelten Bildes nur noch wenig gemein hat. Und in der Malerei haben diese Bilder dann nicht nur Räume zum Inhalt, sie sind zutiefst räumlich. Bei Rolf Staub hängen die allesamt neuen Arbeiten im ersten Raum der Galerie so dicht nebeneinander und bis fast unter die Decke, dass die Versiegelung der Wände zunächst erschreckt. Doch Weiss gelingt es, dem Raum eine Luftigkeit zu verpassen, welche die Malerei in den Raum spült, ohne ihn unangenehm unter Bilderwasser zu setzen.

Dabei bestehen Weiss' Arbeiten eine Gradwanderung vorbei an Kitsch und Esoterik. Dass er diese Gratwanderung bewusst sucht ist mutig und nicht ohne Gefahr. Es bedarf hier der Begegnung mit dem Original, um zum einen zu sehen, wie malerisch souverän diese Welten sind, und zum anderen, um die frappierende Sogwirkung dieser Bilder zu erfassen. Dass dies im kleinen Format nur halbwegs funktioniert ist eigentlich unausweichlich. Dafür wird es hier intimer, stülpt sich die Malerei weniger über den Betrachter, der im Gegenzug mehr zum Schauen kommt. Die hinteren Galerieräume belegen dies. Diese zu durchschreiten lohnt indes zweifach: Im Hinterhof erlaubt ein neues «Schaulager» ab sofort auch den ständigen Blick auf Arbeiten anderer Künstler der Galerie.

Jusqu'à 
15.10.2004
Auteur(s)
Andreas Vogel
Artiste(s)
Markus Weiss

Publicité