Philippe Rahm im Centre Culturel Suisse

Philippe Rahm · Foyer, 2005, Installations-Ansicht, Foto: Marc Domage/Tutti

Philippe Rahm · Foyer, 2005, Installations-Ansicht, Foto: Marc Domage/Tutti

Besprechung

Was bleibt nach Hirschhorn? Nach Lärm und überbordender Materialfülle ist nun minimalistische Stille eingetreten im Pariser Zentrum. Stille, keine Leere. Denn die Räume sind der Gedanken voll über das, was wir nicht sehen, wenn wir Architektur erleben. Mit Philippe Rahm beginnt eine Reihe von drei Ausstellungen, die, so Ritter, sich alle «den kleinen Nichtigkeiten» widmen, «die uns umgeben, unwahrnehmbar oder unwichtig, und die dennoch unsere Lebenswelt konstituieren.»

Philippe Rahm im Centre Culturel Suisse

«Architectures invisibles» meint jene Elemente, die unsichtbar Architekturen beeinflussen oder durch die Architekturen unmerklich unser Leben verändern. Es geht dem Lausanner Architekten darum, erfahrbar zu machen, wie Raum-Empfinden und Zeit-Erfahrung der Moderne zu einem globalen «Tag ohne Nacht» geworden sind. Durch die Einführung der Zentralheizung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden alle Häuser auf eine Normaltemperatur getrimmt. Das verändert die Wahrnehmung, ja sogar Stoffwechsel- und andere physiologische Prozesse.

Im Foyer des Centre wird dieser Schritt durch ein funktionierendes Heizröhren-System repräsentiert, an dem Bildschirme befestigt sind, die 6 Arbeiten von 6 verschiedenen Architektur-Teams zeigen. Sie alle gehen mit den Veränderungen um. Im Obergeschoss erscheint auf einer Leinwand ein je nach Tageszeit wechselnder Farbverlauf. Es handelt sich um die Visualisierung des Zyklus von Melatonin. Einem Hormon, das unter Lichteinwirkung weniger ausgeschüttet wird, nachts jedoch mehr, dadurch wichtige Körpereigenschaften, z.B. das Altern, beeinflusst. Die Einführung der Strassenbeleuchtung in Städten im 19. Jahrhundert und die Verbreitung des elektrischen Lichtes haben enormen Einfluss auf den Körper genommen. In diesem Sinne ist wirklich global ein permanenter Tag entstanden.

Eine faszinierende Erkenntnis, die allerdings durch Rahms Licht-Installation nicht erkennbar wird. Der Besucher muss viel lesen, um ins Nachdenken zu kommen. Das ist eine Schwäche, könnten doch die Elemente gerade zu einer elaborierten künstlerischen Arbeit anregen. Zudem hat sich Rahm selbst mit der Ausstellung topografisch «verteilt»: in der FRAC Centre in Orléans wurde bis 30.4., in der FRAC Lorraine in Metz wird vom 27.5. bis 28.8. die Ausstellung «Quand les latitudes deviennent suisses» gezeigt. Abgesehen von ihrem ästhetischen Mangel ist Rahm im CCSP eine intensive, eben denk-intensive Ausstellung gelungen, die den Blick auf das richtet, was uns bewegt, was wir jedoch nicht sehen.

Jusqu'à 
14.05.2005

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