Ursula Achternkamp in der Salle Crosnier des Palais de l´Athénée

Ursula Achterkamp · Turbokarre, 2002

Ursula Achterkamp · Turbokarre, 2002

Besprechung

Ursula Achternkamp entwirft Objekte und Objektsituationen für die Gegenwart, die den Alltag zwar nicht einfacher machen, aber interessanter. Ihre Arbeit durchleuchtet nicht ganz ohne Ironie das undurchsichtige Spannungsfeld zwischen menschlicher Erfindungswut und modernem Fetischkult und liefert nebenbei beachtenswerte Denkanstösse.

Ursula Achternkamp in der Salle Crosnier des Palais de l´Athénée

Vor etwas mehr als einem Jahr präsentierte Ursula Achternkamp auf der Eingangstreppe des Palais de l´Athénée einen zehn Meter
langen, roten Teppich, der von weitem sehr einladend wirkte. Beim näheren Betrachten stellte sich jedoch heraus, dass der Teppich, der durch und durch mit so genannten Ladykrachern besetzt war, für einen fürstlichen Empfang eher ungeeignet war. Diese mitunter sitespezifische Arbeit - der Palais de l´Athénée ist ein neoklassizistisches Bauwerk - hatte Ursula Achternkamp im Ausstellungskatalog «Roter Teppich ? Widerstand der Versuchung» betitelt und damit den nicht ausschliesslich Assoziationen erregenden Reiz des Gegenstands benannt. Kurz vor Vernissageende erlag dann ein Besucher der Versuchung und zündete den Teppich an.

Ursula Achternkamps Objekte sind nicht einfach verführerisch, eher reproduzieren sie die fast ans Groteske grenzende Attraktivität und das heimtückische Funktionalitätsversprechen von zeitgenössichen Gebrauchsobjekten. So auch ihre Turbokarre, die mit ihrer Lackierung, ihrem Formel-1-Aufkleberverschnitt und ihrem Spezialrad ungemein effizient wirkt, mit der sich aber die Arbeit nicht schneller erledigen lässt als mit einer gewöhnlichen Karre.

Ihr 2-Komponentenkit, ein Teer-Tonnen-Feder-Spray geht noch ein Stück weiter, er scheint mit seinem überzeugenden industrial Design eine dauerhafte Lösung anzubieten, um sich oder andere im wahrsten Sinne des Wortes mit fremden Federn zu schmücken. In diesem Kontext betrachtet erlangt das Wort Fetischismus seine allgemeinere Bedeutung zurück, den Glauben an die magische Kraft von Objekten.

Nach eigenen Aussagen ist die Künstlerin Ursula Achternkamp von der unendlichen Vielfalt an nützlichen Gegenständen fasziniert, welche die gegenwärtige, westliche Kultur erzeugt und dies oftmals völlig unbeachtet von den eigentlichen Bedürfnissen der Leute. Diese Fülle an Gegenständen, die zunehmend auch herrenlos die Welt besiedelt und die seltsamsten Objektnachbarschaften eingeht, ähnelt der unkontrollierbaren Bilderflut, die schon vor Jahrzehnten diagnostiziert wurde und schafft das Bedürfnis nach einer neuen Generation von Gegenständen, einer Generation von Denkobjekten. Bei der Eröffnung wird der Künstlerin der Preis der Fondation Gertrude Hirzel verliehen.

Jusqu'à 
28.10.2005

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