Resonanzen im ZKM - zu Gast in der Städtischen Galerie

Nam June Paik und Jud Yalkut · Beatles Electroniques, 1966?69, Video, © Nam June Paik und Jud Yalkut

Nam June Paik und Jud Yalkut · Beatles Electroniques, 1966?69, Video, © Nam June Paik und Jud Yalkut

Besprechung

Die anhaltende Faszination, welche die Wirkmacht unsichtbarer Kräfte auf den Menschen ausübt, muss nicht immer dem Okkulten zugeschlagen werden. Seit je teilt sich vielmehr die Wissenschaft mit der Magie dieses Terrain. Wer von beiden dabei die Oberhand gewinnt, kann ebenfalls nicht als ausgemacht gelten - gerade dann, wenn das Unsichtbare sichtbar gemacht werden soll. Das zeigt derzeit auch eine Ausstellung im Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, die den Resonanzen von Körpern im elektromagnetischen Feld nachgeht.

Resonanzen im ZKM - zu Gast in der Städtischen Galerie

Schon die Figur des Physikers und Erfinders Nikola Tesla, der für die erste Station der zunächst im kanadischen Montréal vorgestellten Schau als Gewährsmann gewählt wurde, steht für eben diese Oszillation zwischen wissenschaftlicher Forschung und ihrem oft so nahe liegenden Umschlagen ins Fantastische: Während wir einer Reihe seiner Entdeckungen heute handfestes technologisches Gebrauchsgut verdanken, ranken sich um so manche
seiner Experimente und Visionen Mythen, die ebenso gefährlich funkeln wie die Blitze, welche seine Tesla-Spulen generieren.

Gleich mehrere künstlerische Beiträge der Ausstellung nehmen dieses Funkeln zum Ausgangspunkt: Nachgerade wortwörtlich etwa die Videoclip-Serie «Sparks», 1999-2005, in der das Ælab (Stephane Claude/Gisele Trudel) überlieferte biographische und wissenschaftliche Dokumente neu interpretiert, um eigene Animationen ergänzt und zu einem Mosaik suggestiver Klang-Bild-Collagen verschmilzt; ebenso wie Jocelyn Roberts Video «Saint-Georges et le Dragon», 2005, das Tesla als Held und zugleich Antiheld der Auffassung des Körpers als Automat imaginiert, die im Zeitalter der Informations- und Biotechnologien neuen Aufschwung erfährt. Craig Baldwin führt in seinem Video «Spectres of the Spectrum», 1999, vollends in das Reich einer Esoterik der Medien ein ? allerdings nicht ohne diese mittels pointierter Montagen augenzwinkernd zu kommentieren.

Baldwins Arbeit gehört zu jenen Exponaten, mit denen Sabine Himmelsbach die zunächst auf kanadische KünstlerInnen fokussierte Schau ergänzt und damit auch das Spektrum der Resonanzen des Themas erweitert hat. So sind mit Kristin Lucas´ «Involuntary Reception», 2000, oder Jenny Marketous «Flying Spy Potatoes», 2004, nicht nur weitere zeitgenössische Beiträge hinzugekommen, die Fluchtlinien zu jüngeren Medientechnologien verfolgen, sondern auch «Klassiker» wie das Video «Beatles Electroniques», 1966-69, für das Nam June Paik und Jud Yalkut Konzertaufnahmen mittels Elektromagnetismus manipulierten, um so zu einer neuen Ästhetik zu finden.

Zudem tritt mit dem lange in Karlsruhe tätigen Physiker Heinrich Hertz, dem es 1885 gelang, die Existenz elektromagnetischer Wellen zu belegen, eine zweite Referenzfigur hinzu, die den Akzent der Ausstellung weiter in Richtung Wissenschaft zu verschieben scheint. Aus heutiger Sicht allerdings tönen schon die Namen seiner Gerätschaften - Pechprisma, Polarisationsgitter, Influenzmaschine - so poetisch, als wollten sie auch daran erinnern, dass in den damaligen ebenso wie in den gegenwärtigen Technologien der Funke des Magischen nie ganz verloschen ist.

Jusqu'à 
08.10.2005

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