Neue Romantik im Haus für Kunst Uri

Markus Weiss · Der Wächter, 2005, Öl auf Leinwand, 140 x 116 cm

Markus Weiss · Der Wächter, 2005, Öl auf Leinwand, 140 x 116 cm

Besprechung

Seit Mai 2004 hat die Kunst im Kanton Uri im Haus für Kunst Uri ein definitives Domizil. Seit März 2005 ist Peter Stohler Leiter des Hauses. Anfangs August wurde die erste Ausstellung unter seiner Verantwortung eröffnet.

Neue Romantik im Haus für Kunst Uri

Peter Stohler will in den klassisch-weissen Räumen an der Herrengasse 2 in Altdorf jährlich drei thematische Ausstellungen veranstalten. Für den Herbst stellt er unter dem Titel «Sprengmeister» eine Schau mit jungen Künstlern in Aussicht, in deren Schaffen das Sprengen eine Rolle spielt. Folgen wird «On the road again» über Mobilität und Unbehaustsein - ein gutes Thema für den Transitkanton Uri, den die meisten Leute nur durchs Eisenbahn- oder Autofenster wahrnehmen. Ein Haus für Urner Kunst soll's, so Peter Stohler, nicht sein. Er wolle nicht Kunst nach Wohn- und Heimatortsprinzip zeigen, sondern das, was ihn durch Spannung und Qualität überzeuge - ob regional, schweizerisch oder international.

Das Haus für Kunst Uri liegt im Abseits und wird ausserhalb kaum wahrgenommen: Schwierig für den Kurator, seiner kleinen Institution überregionales Gehör zu verschaffen. Der Hirsch, von Markus Weiss virtuos-fotorealistisch gemalt, wirkungsvolles Plakat für die erste Ausstellung unter Stohlers Verantwortung, mag da hilfreich sein. Der trendige Ausstellungstitel ebenso: «Röhrender Hirsch am Bergsee - Romantik in der Gegenwartskunst». Das Sujet steht allerdings eher für den kleinbürgerlichen Mief des Pseudo-Gobelins über dem Sofa als für Romantik.

Die Ausstellung ist die um drei Künstler erweiterte Übernahme der Schau, die Helen Hirsch vor Jahresfrist im Palazzo Liestal kuratierte. Ihre in der Schweiz und in Deutschland getroffene Künstlerwahl mit elf Namen bringt in lebendigem Wechsel Buntes, problemlos Schönes, Spielerisches, mitunter auch Hinterhältiges. Der Blick der Kuratorin - sie hat den Hirsch-Titel natürlich bewusst selbstironisch gewählt - auf die Kunst unserer Tage fördert mancherlei Unbekanntes zutage und zielt mit Vergnügen auf Gegensätzliches - auf die goldgerahmten, erfrischend gemalten Berge von Leta Peer zum Beispiel oder auf Joulia Strauss & Moritz Mattern: Die beiden nehmen in ihrer witzig-ironischen interaktiven Video-Produktion die Besucher mit auf die Suche nach dem Schwan, der den Weg in mancherlei romantische Höhlen und Gefilde weist.

Ob es in der Ausstellung aber tatsächlich um Romantik geht oder - offener - um das Romantische? Hauptsache, in der gepflegten Präsentation spielen Gefühle eine Rolle. Und das tun sie. Weitere Künstler: Mathieu Bernard-Reymond, Gabriella Gerosa, Marica Gojevic, Isabel Schmiga, Alice Stepanek & Steven Maslin, Karoline Walther.

Jusqu'à 
01.10.2005

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