«La force de l´art» im Grand Palais

Xavier Veilhans Totentanz, Ugo Rondinones Bäume und Mark Handforths Neon-Sonne im eisernen Käfig des Grand Palais, Foto: texte&tendenzen
Koje von Eric Troncy

Xavier Veilhans Totentanz, Ugo Rondinones Bäume und Mark Handforths Neon-Sonne im eisernen Käfig des Grand Palais, Foto: texte&tendenzen
Koje von Eric Troncy

Besprechung

Paris eröffnet eine nationale Triennale für zeitgenössische Kunst. 15 Kritiker, Kuratoren und Künstler legen mit ihrer persönlichen Auswahl vor, was Gutes auf französischem Boden gedeiht. Sehenswert, doch mit wenigen Überraschungen zeigt die von Premier- und Kulturminister gewollte Schau den politischen Willen zur Macht der Bilder.

«La force de l´art» im Grand Palais

Den Pariser Galerien geht es gut. Eine junge Kunstszene entsteht in Frankreich, theoriestark, selbstsicher und im Ausland aktiv. Doch die Presse jammert. Welsche Werke seien international zu wenig präsent. Im Auftrag von Premierminister Dominique de Villepin und Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres lässt nun Bernard Blistène, Schwergewicht des französischen Ausstellungsbetriebs, «die Macht der Kunst» auftreten. «Man wirft uns immer vor, nichts abzugeben», sagt Blistène, «nun haben wir mal die Ausstellungsarbeit delegiert, um zu zeigen, was», so fährt er in deutscher Sprache fort, «von hier aus geleistet wird.» Eine Leistungsschau des Aktuellen, alle drei Jahre wieder. In eigens eingerichteten Kojen soll sie im frisch renovierten Grand Palais (300.000 Besucher kamen seit der Wiedereröffnung) zeigen, was «made in france» (so der Titel einer Bilanz im Centre Pompidou 1997) zu bieten hat. Das stösst vielerorts auf Kritik: Hans Ulrich Obrist, gerade neuer Direktor der Londoner Serpentine Gallery geworden, meint, man solle in einem Land, das von drei Milliarden Euro im Kulturhaushalt rund 76 Millionen für bildende Kunst ausgibt, statt Repräsentation eher Produktion fördern. Die erste Paris-Triennale präsentiert für sechs kurze Wochen eine Selektion 15 (!) namhafter Player des französischen Kunstbetriebes. Kritiker wie Paul Ardenne (artpress) oder Olivier Zahm (Purple), Sammlungsvertreter wie Philippe Vergne (Direktor des Walker Art Center in Minneapolis) oder Lóránd Hegyi (Musée d'art moderne de Saint-Etienne), Kunsthistorikerinnen wie Catherine de Smet oder Anne Tronche und Kuratoren wie Eric Troncy (Le consortium, Dijon) und Hou Hanru geben einen von persönlichen Vorlieben geprägten Überblick. Für Philippe Regnier, Redaktionsleiter des «Journal des Arts», fehlt «eine ausreichende Beteiligung privater Sammlungen». Tatsächlich werden die Sammler - entgegen allgemeiner Auffassung eine bedeutende Kraft im französischen Kunstbetrieb - von den Institutionen oft nicht ernst genommen und sind auch im Kuratoren-Team nicht vertreten. Die Ausstellung selbst gleicht einem Déjà-vu: Man sieht bekannte Arbeiten von Mercier, Veilhan, Rondinone, Gonzales-Foerster, Messager, Rebeyrolle, Erró oder Lavier. Hier und da werden selten Gesehenes und einige weniger bekannte Positionen in die sehr diversen, thematischen Ausstellungs-Kojen eingestreut. Wirklich junge Positionen, vor allem auch unter den Kuratoren und Kritikern, sieht man nicht. Vielmehr ist eine Art Poesiealbum aktuell einflussreicher Akteure im französischen Kunstbetrieb entstanden, sehenswert, jedoch mit wenigen Überraschungen.

Jusqu'à 
24.06.2006

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