«Yayoi Kusama. Dots Obsession» im Haus der Kunst

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«Yayoi Kusama. Dots Obsession» im Haus der Kunst

Fallschirme sind Hilfsmittel, um die Sinkgeschwindigkeit fallender Körper zu mindern. Sie wirken gegen die Erdenschwere, sind Mittler zwischen Materiellem und Luft, Last und Leichtigkeit. Yayoi Kusama (*1919 in Nagano, Japan) arbeitete während des Kriegs in einer Fabrik, die Fallschirme herstellt. 1957 ging sie in die USA, veranstaltete in den 60ern zahlreiche Happenings, Bodypainting-Festivals, Modeschauen und Antikriegsdemonstrationen und kehrte 1973 nach Japan zurück. Seit 1974 lebt sie in einem psychiatrischen Krankenhaus in Tokio als ständigem Wohnsitz, von wo sie jeweils in ihr Atelier aufbricht, womit - so die Kuratorin der Münchner Ausstellung Elena Heitsch - die vieldiskutierte Koppelung von biografischem Hintergrund bzw. psychischer Befindlichkeit und Werk legitimiert erscheint. Seit ihrem zehnten Lebensjahr hat Kusama die Dots für sich entdeckt, farbige Punkte, mit denen sie seitdem die Welt bedeckt. Spielerisch poppig eignet sie sich mit einem Dot-Netz Gegenstände, Räume und Lebewesen an, alles wird markiert, besetzt, vom bisherigen Kontext befreit und in einen anderen schwebenden Kosmos eingebunden. Alle Differenzen lösen sich auf in einem einheitlichen Dot-Universum, allerdings ist darin nur Dot neben Dot vorhanden, kein darüber hinausgehender Zusammenhang. Die Dots sind heiter und bunt, schweben aber vereinzelt jeder für sich. Kusamas Kunst wird auch als eine spezifisch japanische Spielart des Freitods verstanden. Man stirbt auf dem Höhepunkt der Begeisterung, vergisst sich in einer Totalität ohne Widersprüche und geht in einer kollektiven Seele auf. Nachdem Kusama eine Weile vergessen schien, wird ihrem Werk seit den 90er-Jahren die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. In der Schweiz konnte man ihre Arbeiten in Bice Currigers «Hypermental», 2001, und «The Expanded Eye», 2006, im Kunsthaus Zürich sehen, Heike Munder hat Kusana in «St. Petrischnee» im Migros Museum 2002 vorgestellt. In München werden nun einige ihrer grossen, mehr oder minder schwebenden Dots gezeigt.

Jusqu'à 
05.05.2007

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