Pulheim (bei Köln): Max Neuhaus in der Synagoge Stommeln

Die Synagoge in Pulheim, Foto: Piotr Zamojski

Die Synagoge in Pulheim, Foto: Piotr Zamojski

Kunst und Bau

Pulheim (bei Köln): Max Neuhaus in der Synagoge Stommeln

1937 verkaufte die jüdische Gemeinde unter dem Druck wachsender Verfolgung die 1882 gebaute Synagoge in Stommeln. Der Käufer war ein benachbarter Landwirt, der die Synagoge, mit Rücksicht auf ihre Vergangenheit, nicht als Viehstall, sondern als Abstellraum nutzte. Als SA-Männer mit Benzinkanistern das Gebäude vernichten wollten, verwies der Bauer auf den Umstand, dass es sich nicht mehr um eine Synagoge, sondern um einen Abstellschuppen in seinem Besitz handle. Die Synagoge wurde gerettet und ist heute das einzig erhaltene jüdische Gotteshaus im Regierungsbezirk Köln. In der Hoffnung, Toleranz und Respekt vor der Würde des Menschen fördern zu können, initiierte die Stadt Pulheim 1991 das Kunstprojekt Synagoge Stommeln. International renommierte KünstlerInnen wurden eingeladen, Projekte für die Synagoge zu entwerfen. Richard Serra, Eduardo Chillida, Rebecca Horn, Rosemarie Trockel, Georg Baselitz oder Sol LeWitt u.a. kamen ins 50.000 Einwohner kleine Pulheim gereist, um eine Intervention zu realisieren. Letztes Jahr leitete Santiago Sierra Autoabgase in die Synagoge ein und stattete die Besucher mit Gasmasken aus, woraufhin ein Sturm der Empörung entbrannte - dessen Spuren sich mit Hilfe von Google noch gut verfolgen lassen. Jetzt soll es mit stilleren Tönen weitergehen. Der Künstler Max Neuhaus (*1939 in Beaumont/Texas, lebt in New York und Paris), der 1969 die erste elektroakustische Installation vorstellte und mit ihr den heute gebräuchlichen Begriff «Klanginstallation» einbrachte, konzipiert seine Klanginstallationen grundsätzlich für einen bestimmten Raum und leitet die Gestaltungsprinzipien von dessen Besonderheiten ab. Zumeist arbeitet der Künstler mit leisen Tönen, die nur unterschwellig wahrgenommen werden. Die Pulheimer Synagoge will Neuhaus unangetastet lassen. Er wird ihr aber eine Stimme verleihen, indem er den jüdischen Stundenrhythmus in den Aussenraum bringt. Das «Time Piece Stommeln» soll sich auf der Strasse entfalten. Erstmals wird ein Werk der Reihe dauerhaft installiert.
Infos bei der Projektleiterin Angelika Schallenberg, Kulturabteilung der Stadt Pulheim angelika.schallenberg@pulheim.de.

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