Danica Phelps in der Galerie Rotwand

Danica Phelps · Installation View Stripe Factory, Juli 2007 und August 2007, Collage auf Holz, © Galerie Rotwand, Zürich

Danica Phelps · Installation View Stripe Factory, Juli 2007 und August 2007, Collage auf Holz, © Galerie Rotwand, Zürich

Besprechung

Bekannt geworden ist die New Yorker Künstlerin Danica Phelps mit Zeichnungen, die in gestochen scharfen Umrissen alltägliche und zuweilen erotische Begebenheiten schildern. Doch ihr geschärftes Augenmerk gilt den ökonomischen Verhältnisse, die sie in Streifenbilder umsetzt. Nun hat sie in New York eine «Stripe Factory» aufgezogen, Assistentinnen angeheuert, die auf Bestellung Streifenbilder malen.

Danica Phelps in der Galerie Rotwand

Die New Yorker Konzeptkünstlerin Danica Phelps (*1971) notiert seit zehn Jahren unermüdlich die Einnahmen und Ausgaben ihres kleinen Künstlerhaushaltes. Dabei erfasst sie nicht etwa einzelne Beträge, sondern hält jeden ausgegebenen und eingenommenen Dollar in kleinen, nebeneinander gesetzten Streifen fest - und dies in Zeiten des elektronischen Bankings. So steht ein grüner Streifen für einen verdienten Dollar und ein roter für einen ausgegebenen Dollar. Für diese «Milchbüchlein-Buchhaltung», die den Zeitraum eines Monats oder auch eines Jahres umfassen kann, klebt Phelps die langen, schmalen Streifen untereinander auf ein Holzpaneel. In ihrer Struktur ergeben sich so abstrakte All-over-Kompositionen. Danica Phelps verwaltet nicht nur ihr Geld akribisch, sondern protokolliert auch ihren Tagesablauf peinlich genau. Jedes noch so kleine Ereignis oder jede nebensächliche Handlung wird mit Bleistift unter Beachtung der genauesten Zeitangaben auf Zettel oder in Tagebücher eingetragen, die bis anhin in zwei Künstlerbüchern publiziert worden sind. Man denkt an On Kawaras «Date Paintings» oder an das «Eternal Network» und die flexiblen Objektcollagen des Fluxus-Künstlers Robert Fillious.
Eigentlich liegt es nahe, dass Danica Phelps damit versucht, die Gesetze des Kunstmarktes zu unterlaufen. Dies bewerkstelligt sie auf eine maliziöse, verspielte Art. Wenn nämlich die Künstlerin eine ihrer Zeichnungen verkauft hat, kopiert sie diese mit Bleistift und vermerkt in einem separaten Streifen das Verkaufsdatum, den Namen des Käufers und mit einer Anzahl von grünen Linien den Verkaufspreis. Diese modifizierte Zeichnungskopie wird von neuem angeboten und ist so unbegrenzt zu einem moderierten Preis erhältlich. Die grossformatigen Streifenbilder veranschaulichen dem Konzept entsprechend umfassendere Finanztransaktionen. So veranlasste eine grössere Hypothekarschuld die Künstlerin dazu, die Streifenproduktion fabrikmässig herzustellen. Dafür hat sie eine Schar von Assistentinnen angeworben, die mittlerweile nicht nur den Finanzhaushalt der Künstlerin in Streifen umsetzen, sondern Streifen auch auf Bestellung oder für Ausstellungen produzieren. An diesen Kollektivarbeiten fallen bald regelmässige, bald unruhige, bald hellere oder dunklere Partien auf, welche die verschiedenen Handschriften erkennen lassen. So werden die komprimierten Arbeiten Metaphern der «DNA-Mappings» der hier tätigen Künstlerinnen.

Jusqu'à 
21.12.2007
Auteur(s)
Dominique von Burg
Artiste(s)
Danica Phelps

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