Hélène Delprat in der Galerie Gisèle Linder

Hélène Delprat · Bad Taste Monkey, 2007, Acryl/Pigment auf Papier auf Leinwand, 141 x 90 cm, Foto: Serge Hasenböhler, © ProLitteris, Zürich

Hélène Delprat · Bad Taste Monkey, 2007, Acryl/Pigment auf Papier auf Leinwand, 141 x 90 cm, Foto: Serge Hasenböhler, © ProLitteris, Zürich

Besprechung

Die französische Künstlerin Hélène Delprat (*1957) ist eine subtile, fantasiereiche Geschichtenerzählerin mit einem maliziösen Hang zum Zirzensischen. Nie ist nur das gemeint, was man zu sehen glaubt. «Skeleton Bad Taste» (das Skelett des schlechten Geschmacks) nennt sie den jüngsten Bildzyklus.

Hélène Delprat in der Galerie Gisèle Linder

Seit mehr als 20 Jahren - als Gisèle Linder ihre Galerie an der Elisabethenstrasse eröffnete - zeigt die in Paris lebende Malerin, Bühnenbildnerin, Inszenatorin und Filmerin Hélène Delprat Kapitel ihres Schaffens in Basel. Eben jetzt zum zehnten Mal. Obwohl das bewegte Bild - insbesondere minimalistisch angelegte Maskeraden vor der eigenen Kamera - und auch die Fotografie in den letzten Jahren an Bedeutung gewannen, zeigt Hélène Delprat aktuell einen ganz neuen, auf die Räumlichkeiten zugeschnittenen Malerei-Zyklus. «Ob Malerei, Film, Inszenierung - was auch immer - es sind alles Facetten ein und derselben künstlerischen Vision», sagt die Künstlerin. Diese Vision ist vielschichtig - mal werden Bilder zu Träumen, mal träumt sie von Bildern - hat aber einen roten Faden: das Tier, das als Allegorie des Menschen auftritt; weniger im Sinne der Fabeln von La Fontaine als vielmehr der Karikatur. Das Tier erscheint denn auch als «singe peintre», als «homme lion» oder gar als Koch in Eselsfigur mit schwarzer Schürze und doppeltem Kopf: «The Bad Taste Donkey Burger».
Hélène Delprat erteilte einem Literaturstudenten den Auftrag, zu einer Reihe der Bilder eine Geschichte zu schreiben. Dieser löst die Aufgabe bravourös, indem er sich als Beauftragter auf die Suche nach den Bild-Phänomenen macht und - zum Beispiel - in Beartooth Mountain auf die kriminellen Double Donkeys stösst, diese so zu fotografieren vorgibt wie die Malerin sie malte und so ein faszinierendes Perpetuum mobile erzeugt. Die Texte sind Teil der Ausstellung.
Hélène Delprat ist eine Tänzerin zwischen den Zeiten, den Geschichten und Bildern. Zeichnete sie früher liebend gern in Bibliotheken - zum Beispiel mit einem Buch mit Illustrationen von William Hogarth vor sich - so ist ihr mittlerweile die Bildebene von Google zur Inspirationsquelle geworden. Das Füllhorn der Zeichnungen wird im Moment einer konzentrierten Malphase zur Wundertüte, die intuitiv mit den abstrakten Umfeldern - den Bühnenbildern - interagiert und sich zu Bildstücken verdichtet.
Der Hauptausstellung ist eine Art Kabinett angegliedert. Wenn Gisèle Linder jetzt den seit den 1970er-Jahren Wort und Bild verknüpfenden Franzosen Unglee einlud, so weil auch er, wenn auch ganz anders, fragile Fiktionen schafft - sei es mit dem Mittel des Films, der öffentlichen oder medialen Intervention.

Jusqu'à 
21.12.2007

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