Lutz & Guggisberg im Aargauer Kunsthaus

ANDERS LUTZ, ANDRES GUGGISBERG · Floss, 2008,
Detail, © ProLitteris, Zürich

ANDERS LUTZ, ANDRES GUGGISBERG · Floss, 2008,
Detail, © ProLitteris, Zürich

Besprechung

Ein monumentaler, verwaister Schreibtisch empfängt die BesucherInnen. Dunkle Erde quillt aus einer der Laden auf den Boden, auf Regalbrettern an der Wand hocken zahlreiche vogelartige Skulpturen aus angesengten Holzstücken. In diesem eher nüchternen Ambiente nimmt die Ausstellung von Anders Lutz und Andres Guggisberg ihren Anfang; von hier aus lässt sich deren labyrinthischer, humorvoller Kosmos, der durch die Räume sprudelnde Fluss von Arbeiten auf verschiedenen Wegen erkunden.

Lutz & Guggisberg im Aargauer Kunsthaus

Dabei wechselt je nach Laufrichtung das atmosphärische Setting. Während in der Hauptachse direkt an das Büro eine überbordende, begehbare Wohnlandschaft anschliesst, eröffnen sich rechter Hand mehrere differenzierte Raumsituationen: rohe Bretterwände mit verwaschenen Affichen, dunkle Holzhäcksel auf dem Boden, übergrosse Vögel in schummrigem Licht und ein an die Wand projizierter Bilderreigen. Ein Gelehrtenzimmer, in dem neben der erweiterten Fassung der «Bibliothek» auch ein vielgestaltiger Globus sowie kleinformatige, in altmeisterlicher Manier gemalte Gemälde versammelt sind, bildet ein Zentrum der Ausstellung. Eine Art Skulpturengarten erweitert den Parcours und markiert zugleich dessen Ende.
Obschon sich jedes Werk durch seine prägnante stoffliche und mediale Formung auszeichnet, sind es die spielerischen Verschränkungen und assoziationsreichen Verbindungen untereinander, die den eigentümlichen, fast urwüchsigen Charakter der Arbeiten noch weiter ankurbeln. Lutz & Guggisberg greifen bewusst Elemente aus einer Arbeit auf, um sie im nächsten Raum, in einer anderen Werkgruppe sozusagen, zurückzuspielen. Sie mischen Altes und Neues, noch nie gezeigte Werke wie die Gemäldeserie «Gelobte Landschaften» und teilweise bekannte Arbeiten wie die «Zeitungsbilder», die hier in Form einer Dia-Show eine mediale Umformung erfahren. Leitmotivisch zieht sich die Tierwelt durch die Ausstellung, angefangen mit den «Pilgern» auf den Regalbrettern über Raritäten wie dem «Austernvogel» bis hin zur «Bibliothek», in die ein Exemplar der Abhandlung «Der Buchfink» eingereiht ist. Die Installation «Floss» markiert bei diesem lustvollen Spiel von Verdichtungen und doppelbödigen Querbezügen einen Höhepunkt:Auf einer schiefen Ebene sind Sofas, Beistelltische und Regale zu einem wohnlichen Ambiente zusammengestellt, die Oberflächen des Mobiliars und der geschichteten Objekte und Skulpturen teilweise mit Gips übergossen; dazwischen entdeckt man kleine Figuren, die stossen und schieben, stützen und eindämmen. Lutz & Guggisberg entwerfen hier gleichsam eine metaphorische Welten-Landschaft, in der sich Gemütliches und Schmuddeliges, Relikte bürgerlicher Spiessigkeit und anarchische Kombinationslust, die grossen Fragen und die unscheinbaren Details miteinander verquicken und eine Ahnung davon geben, «was die Welt im Innersten zusammenhält». Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Freiburg. Mit Katalog.

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