Die goldenen 68er. Unsere treusten Inserenten

Fokus

Wer sind die Inserenten, die uns seit 1968 begleiteten? Welche Ereignisse prägten sie, welche baulichen Veränderungen haben ihre Häuser erfahren und was steht nächstens an? Eine Tour d'horizon.

Die goldenen 68er. Unsere treusten Inserenten

Kunsthalle Bern
1968 feierte die Kunsthalle bereits ihren 50. Geburtstag und im selben Jahr realisierte Harald Szeemann die Ausstellung «When attitudes become form», die wenig später transatlantische Kunstgeschichte schreiben sollte. Im mittlerweile 90-jährigen Haus fordert heute der Kurator Philippe Pirotte mit seinem präzisen Programm das Publikum heraus - Szeemann hätte seine Freude!

Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen
Das Mehrspartenhaus im mittelalterlichen Gemäuer macht immer wieder mit zeitgenössischer Kunst von sich reden. Mit wohligem Schauern erwarten wir die Highlights 2008. Ab Juni irrlichtert «Wirkliches und Unwirkliches in der Kunst» durchs Haus, im November wird uns «Die Anatomie des Bösen» vorgeführt.

Galerie Ziegler, Zürich
Bereits seit 1959 setzen sich Renée und Maurice Ziegler für einen internationalen Künstlerkreis ein. 1968 zeigten sie Amerikaner wie Al Jensen, David Hockney, Ken Noland, heute sind sie für gefragte Schweizer wie Jean Tinguely, Bernhard Luginbühl, André Thomkins, Dieter Roth oder Meret Oppenheim eine gute Adresse. Was selten glückt, gelang: Die nächste Generation ist ebenfalls im Metier aktiv.

Kunstmuseum St. Gallen
Das Kunstmuseum St. Gallen positioniert sich mit grenzüberschreitenden Kooperationen. So erwarb es 2006 zusammen mit dem Museum für Moderne Kunst Frankfurt und dem Kunstmuseum Liechtenstein die Sammlung Rolf Ricke mit amerikanischer Kunst der 60er Jahre. Dazu gesellte sich kürzlich die Schenkung der St. Galler Erker-Presse mit Kunst derselben Epoche aus Europa - auf Synergien darf man gespannt sein.

Galerie Wolfensberger, Zürich
Die Aktivitäten der Galerie J. E. Wolfensberger im erwachenden helvetischen Kunsthandel um 1900 haben sich offenbar gelohnt. Dies bezeugt das stattliche Jugendstilhaus an der Bederstrasse. Heute knüpft ein Nachfahre der Familie, der versierte Lithograph Thomi Wolfensberger, an die Tradition an und engagiert sich für den Verein für Originalgraphik, der soeben seinen 60. gefeiert hat.

Museum Bellerive, Zürich
Wussten Sie, dass das Design-Museum ebenfalls zu den 1968 Geborenen gehört? Als Objekte-Sammlung des Zürcher Kunstgewerbemuseums gestartet, stehen heute Sonderausstellungen auf dem Programm. Für 2009 ist eine Schau des schweizerisch-schottischen Künstlers Hermann Obrist angekündigt - ein Wegbereiter der Moderne und Mitbegründer der «Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk». Bereits um 1900 arbeitete er am Gesamtkunstwerk, also lange bevor Harald Szeemann diesen Begriff zu einem seiner Leitmotive machte.

Museum Rietberg, Zürich
Das durch Richard Wagners Liebe zu Mathilde Wesendonck zu Berühmtheit gelangte Anwesen in der Zürcher Enge wurde in den letzten Jahren rundum renoviert und erweitert. Das völkerkundliche Museum, das mit einem kristallgrünen Glasbau ein neues Wahrzeichen erhielt, verfügt nun über spektakuläre Museumsräume, die über mehrere Etagen in die Tiefe führen. Immer wieder findet man dort das Eigene im Fremden, so aktuell in Arbeiten von Ernst Ludwig Kirchner, die mit königlichen Hockern aus Kamerun konfrontiert werden.

Museum für Völkerkunde, Basel
Als Hort mehrerer älterer Museumssammlungen wird das Museum für Völkerkunde 1996 zum Museum der Kulturen. Seit Anfang 2007 schmückt es sich mit einem Anbau der einheimischen Olympia-Architekten Herzog & de Meuron. Derzeit steht das Haus ganz im Zeichen der Farbe «Rot» und lädt zu einer sinnlich rauschhaften Tour du Monde ein.

Helmhaus Zürich
Der symbolträchtige Bau an der Limmat diente schon manchem Kunstschaffenden als federndes Sprungbrett für den Karrierestart. Diesen Sommer wird nun die Euro 08 das Ambiente vor dem Haus bestimmen. Der Leiter Simon Maurer sorgt für Direktübertragungen der EM-Spiele auf Grossleinwand. Im August wird dann im Schutze des Gewölbes auf den Geburtstag des «Kunst-Bulletins» angestossen. Dafür sei dem Hausherr schon jetzt gedankt!

Kunstmuseum Luzern
Das Kunstmuseum Luzern setzt erfolgreich seine Kunstproduktionen gegen die mächtige architektonisch-optische Konkurrenz des Kulturund Kongresszentrums (KKL). Nun hat es wieder Grosses vor und will in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen in den nächsten fünf Jahren zum Schweizer «Kompetenzzentrum für Kunstvermittlung» werden.

Kunsthaus Zürich
Das Haus ist auf bestem Wege, in Zürich ein neues Wahrzeichen zu setzen, das hoffentlich Architektur, urbanistische Überlegungen und Inhalte zu einem Höhenflug vereint. Mit «Shifting Identities» bespielen ab Juni jüngere Schweizer Kunstschaffende den Raum vom Flughafen bis in die Innenstadt Zürichs. Dazu verspricht die Themenschau zum Futurismus von Giacomo Balla bis Giovanni Segantini «revolutionäre» Sommertage.

Galerie Krugier-Ditesheim, Genf
Als das «Kunst-Bulletin» 1968 das Licht der Welt erblickte, war die Galerie bereits sechs Jahre alt. Auf moderne und zeitgenössische Kunst spezialisiert, macht der Gründer Jan Krugier-Poniatowski auch immer wieder mit Museumsausstellungen seiner epochalen Sammlungsbestände auf sich aufmerksam.

Galerie Koller, Zürich
Im renommierten Zürcher Auktionshaus sorgen seit einigen Jahren Kunden aus Russland und Asien für Aufwind. Gute Perspektiven für die in zweiter Generation geführte und seit 50 Jahren präsente Galerie!

Museum für Gestaltung, Zürich
Wie das Museum Bellerive wurde das Museum für Gestaltung Teil der Neuausrichtung der Schweizer Fachhochschullandschaft. Das nunmehr zur Zürcher Hochschule der Künste gehörende Haus wirkt als Ikone des Neuen Bauens immer noch zeitgemäss. Ob wohl auch nach dem Umzug der Hochschule ins Toni-Areal im Zürcher Westend die Anbindung an den Schulbetrieb bestehen bleiben wird?

Orell-Füssli, Zürich
Was einst als Verlag in der Aufklärung begann, war bis in die 90er Jahre auch eine wichtige Kunstgalerie in Zürich. Heute wird die Holding von Ökonomen und Juristen geführt, 2007 erwirtschaftete sie ein Rekordergebnis. Schön wäre, wenn sie sich ihres einstigen Engagements für die Kunst wieder erinnern würde ?

Galerie Beyeler, Basel
Ernst Beyeler, charismatischer Gründungspate der Art Basel, schenkte der Öffentlichkeit die Fondation Beyeler in Riehen. Alberto Giacomettis «Schreitender» vor Claude Monets «Seerosen» - gespiegelt im Teich hinter bodentiefen Glasfenstern - scheint stellvertretend für den aktiven Museumsmann in die Weite zu streben.

Galerie Bruno Bischofberger, Zürich
Seit 1990 bespielt die Galerie Bruno Bischofberger mit einer fantastischen Fotospur die Rückentitel des «Kunst-Bulletins» und des Artforums. So kam die Farbe ins Heft und so reisen seither Bilder schweizerischen Brauchtums um die Welt. Bischofberger setzt im schnelllebigen Geschäft auf Kontinuität, dies zeigt sich in seiner Künstlerliste und in seiner Treue zu uns. Dafür sei ihm hier ganz herzlich gedankt!

Galerie Walcheturm, Zürich
Als Verantwortliche des Walcheturms haben Eva Presenhuber, Iwan Wirth oder Claudia Spinelli vor Jahrzehnten den Einstieg in die Galeristen- beziehungsweise Kuratorenszene geschafft. Auch nach dem Umzug ins Kasernenareal und unter der jetzigen Leitung von Patrick Huber weht ein experimenteller Wind durch den Walcheturm, der durch das jährliche Festival «videoex» grenzüberschreitendes Profil gewonnen hat.

Kunstmuseum Winterthur

Während der Erweiterungsbau von Gigon /Guyer (1995) zusammen mit dem Altbau für die Zukunft fitgemacht wird - Schliessung Ende Jahr bis Frühjahr 2010 - geht die Arbeit hinter den Kulissen weiter. In wenigen Monaten erscheint der nächste Band des Sammlungskatalogs. Für Spannung sorgt sicher auch die gleichzeitig laufende Diskussion zur Neuordnung der Winterthurer Museumslandschaft.

Auteur(s)
Matthias Fischer

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