Nicoletta Stalder

Nicoletta Stalder · Basket, 2005-08, Der Schatten (Serie), Digitalprint auf Aluminium aufgezogen, 60 x 80 cm

Nicoletta Stalder · Basket, 2005-08, Der Schatten (Serie), Digitalprint auf Aluminium aufgezogen, 60 x 80 cm

Besprechung

«Im Beet mit Nicoletta» heisst Nicoletta Stalders Auftritt bei Graf & Schelble in Basel. Beet ist wörtlich zu nehmen, denn aus einem erdgefüllten Deckbett wachsen Tag-, Feuer- und Schwertlilien. Eine ebenso bunte wie fruchtbare Bettstatt ist Blickfang der sinnlichen «Gartenschau».

Nicoletta Stalder

Selten macht sich eine Künstlerin so lustvoll-ironisch zum fruchtbaren Natur-Garten wie Nicoletta Stalder (*1972), die im Januar ihren dritten Buben gebar. Vor vier Jahren machte sie den ersten Still-Busen zum Motiv, noch früher schnitzte sie Figuren in Wallhölzer. Jetzt bewirtschaftet sie ihren Garten; für die Küche und die Kunst.
Für die Kamera werden die Asparagus zu Flügeln und Nicoletta Stalders eigener Schatten zur theatralischen Figur. Sie kennt das Licht, weiss, wie es wandert, wie die Sonne sie als Schatten längt, ihren Kopf ins Beet projiziert oder ihre Gestalt auf der Wand tanzen lässt. Im Büro neben den Kinderzimmern bearbeitet sie die Fotografien am PC. Im Atelier in der Stadt malt sie. Geblümte Bettbezüge appliziert sie auf Leinwand und macht sie zu Malgründen. Sie liebe die künstliche Bett-Romantik, sagt sie, und platziert sich selbst schemenhaft ins Unkraut oder baut Wege und Strassen mitten durch bunte Wiesen, «fiese Strassen zuweilen, mit unmöglichen Kreuzungen und abrupten Abbrüchen».
Ist es Zufall, dass gerade zwei Frauen Betten prominent ausstellen? Tracey Emin zeigt in Bern ihre Elends-Schlafstätte nach durchzechter Nacht, Nicoletta Stalder ein Bett-Beet als (erotischen) Ort spriessenden Lebens. Was für ein Gegensatz. Aber: die «Young British Artists» waren für Stalder wichtig, als sie 2000 in London studierte. «Sie haben mir Mut gemacht, meine Vorstellungen durchzuziehen, so direkt wie ich das immer wollte, mich zuvor in der Schweiz aber nicht traute.» Doch während die Gosse als kunstkonform gilt, bewegt sich Stalder auf schmalem Grat; Lebenslust ist ein schwieriges Kunstthema, Kitsch lauert hinter jeder Ecke. Peter Fischer lud die Künstlerin 2005 zur Ausstellung «Magic Moments» nach Luzern, denn die besten Arbeiten Stalders wachsen unmittelbar aus der aktuellen Lebenssituation der Künstlerin und strahlen auf einer Zweitebene Surreales, Märchenhaftes, Poetisches aus. In vielen Arbeiten gelingt das. Beispielsweise in jener inszenierten Fotografie, die den von der Vertikalen in die Horizontale projizierten Schatten der Künstlerin so zeigt, als würde er einen im Gras stehenden Weidenkorb auf dem Kopf tragen. Perspektivwechsel, die zugleich real wie irreal sind, verbinden sich und machen das Alltägliche zum besagten «magic moment».

Jusqu'à 
30.07.2009

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