Monica Germann und Daniel Lorenzi, «Fully booked...»

Monica Germann, Daniel Lorenzi · Rocko Schamoni, 2009, Gouache auf Papier, 30,5 x 23 cm

Monica Germann, Daniel Lorenzi · Rocko Schamoni, 2009, Gouache auf Papier, 30,5 x 23 cm

Besprechung

Solothurn - Das Künstlerhaus beherbergt zurzeit die neuesten Arbeiten von Monica Germann (*1966) und Daniel Lorenzi (*1963). Porträt und Zitat kreuzen sich darin als zwei Annäherungsversuche an das Wesen einer Person, die sich gleichzeitig jeder Festschreibung entzieht.

Monica Germann und Daniel Lorenzi, «Fully booked...»

Die Zeichnungen - Tempera auf Papier oder auf der Wand - spielen mit der Wiedererkennbarkeit von Menschen, deren buchstäbliches Ansehen von den Medien geformt und reproduziert wird. Stars wie Eminem, Missy Elliott und Rocko Schamoni treffen auf Antihelden wie P.-J. Boock. Mit markanten Zitaten aus der Presse wie mit Schlagzeilen versehen, sichern sich die Prominenten einen weiteren Eintrag im Gästebuch der Geschichte. Die Radikalität der Äusserungen verblasst allerdings vor der Flüchtigkeit der gemalten Erscheinung, die mehr Phantombild als Starporträt ist: Die Gesichtszüge der Porträtierten sind aufs Äusserste reduziert, Augen, Mund und Nase können sich gerade noch halten, während der übrige Gesichtskreis in merkwürdigen Deformationen verschwimmt. Übergrosse Köpfe auf kindhaft kleinen Oberkörpern lassen die Figuren schmächtig erscheinen. Dagegen wirken die Inschriften wuchtig und unwiderlegbar. Aus den bruchstückhaften Selbstaussagen und Fremdkommentaren lässt sich die Geisteshaltung der Dargestellten herauslesen. Die Unverrückbarkeit dieser in Kapitälchen geschriebenen Aussagen steht der Unschärfe des Gesichts wie ein Dafür dem Dawider entgegen: Die dezidiert formulierten Äusserungen stehen für Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit des Individuums, während die Stereotypisierung der Bildnisse dagegen spricht.
Wer es sich leisten kann, schweigt: so wie der Pfeife rauchende und Status markierende Joe Colombo, der als Vorsteher an der Rezeption des vorübergehend zum imaginären Gästehaus umfunktionierten Künstlerhaus als Wandbild erscheint. Politische Parolen beherrschen das darüber liegende Stockwerk: Dem Aufruf zur globalen Abrüstung steht die vielstimmige Hymne der Kriegsverherrlichung entgegen, gesungen von den Oberhäuptern der Staaten und Inhabern der Gewalt. Die oberste Etage vereint die geschlossene Gesellschaft einer Society, die high ist vor Selbstverwirklichungsdrang, zynischem Snobismus und finanzieller Schrankenlosigkeit. Das abseits gelegene Kabinett ist die Suite des Hotels und wird bewohnt von Mickey Rourke, der dreimal die Rolle, aber nicht sein gezeichnetes Gesicht wechselt. Der barocke Glamour der Galerie wird immer wieder unterbrochen von kleinen Plastiken. In Zinn gegossen, verschmelzen darin Symbole aus der Heraldik und der christlichen Ikonografe. Diese gezielt zwischen die Porträts gehängten glänzenden Medaillons sind rätselhaft und vielsagend zugleich und wirken wie die knappe Überschrift zu den aus Bildnis und Unterschrift geformten Sinnbildern.

Jusqu'à 
19.09.2009

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