René Zäch im Aargauer Kunsthaus

René Zäch · Ohne Titel, 1988, Holz, Karton, Eisenschutzfarbe, Tablarkonstruktion, 4 Objekte, je 9 x 55 x 25 cm

René Zäch · Ohne Titel, 1988, Holz, Karton, Eisenschutzfarbe, Tablarkonstruktion, 4 Objekte, je 9 x 55 x 25 cm

Besprechung

Als «Kopien ohne Originale» bezeichnet Daniel Kurjakovic´ die Arbeiten von René Zäch im Katalog zur Einzelausstellung des 53jährigen Schweizers im Aargauer Kunsthaus in Aarau. Er trifft damit den Nagel auf den Kopf. Zächs plastische Arbeiten sind und sind nicht. Sie erinnern an. Sie nutzen das kollektive Bildgedächtnis, um die skulpturale Form aufzuladen, vom Konzept her aber autonom zu behandeln. «So wie sich die Landschafter von der Natur inspirieren lassen, nutze ich von Menschen geschaffene Dinge als Fundus für meine Arbeit», sagt der Künstler.

René Zäch im Aargauer Kunsthaus

Geprägt haben ihn die siebziger Jahre. Damals weilte der Tiefbauingenieur mit Zusatzausbildung an der Basler Schule für Gestaltung in Amsterdam. Er wollte nicht Maler und nicht Bildhauer sein und doch frei gestalten. Da fielen die Theorien von Minimal- und Konzeptkunst unter Einbezug der vorausgehenden Pop Art auf fruchtbaren Boden. Zäch begann sich – durchaus zeitkonform – mit den Konstitutiven von Gegenstand, Möblierung und Raum auseinanderzusetzen. An diesem Punkt setzt die Aarauer (Fast-) Retrospektive ein. Wand- und Raumarbeiten, die zugleich wiedererkennbare Möblierungselemente sind, werden mit höchster Präzision auf ihre «Funktion» als skulpturale Kunstwerke ausgerichtet. Zächs Stichwort: Gleichwertigkeit; einerseits zwischen Form, handwerklicher Erscheinung (Zäch baut seine Arbeiten weitgehend selbst) und der funktionalen Verbindung mit der Wand und/oder dem Raum; andererseits zwischen Formherkunft und Formautonomie. Die Assoziationen zu Lautsprechern, Schreibmaschinen, Bildschirmen, Radarschüsseln, Automaten, Solarzellen, Computerchips, Digitalanzeigen usw. spannen – bereits heute – einen Bogen zur Erscheinungsweise technischer respektive elektronischer Alltagsgeräte. Die gesellschaftliche Komponente, welche die Formverwandtschaften andeuten, sind für Zäch indes nur «Surplus» – Definition des «Umfeldes», in dem er sich als Künstler und Modellbauer, als «Designer» ohne funktionale Verpflichtung bewegt. Die Ausstellung in Aarau ist reich, eine Art Werk-Installation. Sie umfasst nicht nur plastische Arbeiten von 1979 bis 1999, sondern gibt – ähnlich wie vor einigen Jahren bei Vaclav Pozarek, mit welcher sie innerhalb des Aarauer Museumsprogramms in gewissem Sinn zu vergleichen ist – auch der Zeichnung Gewicht. «Die zeichnerische Arbeit am Reissbrett ist für mich immer noch etwas vom Spannendsten», sagt Zäch. Das Papier als Vorstellungs-Raum, als Kunst-Bühne, der Ort, wo sich Form, Raum, Proportion, Beziehung imaginär konstruieren lässt; wo Funktionen Fiktionen sind. Die Zeichnungen sind aber auch dahingehend wichtig, als sie auf den Humor, der den nüchternen, plastischen Arbeiten ebenfalls innewohnt, verweisen.Der in Solothurn aufgewachsene, nach langen Auslandjahren in Finnland, Holland und Italien seit 1986 in Biel lebende René Zäch ist kein betriebsamer Künstler. Ihm fehle «die Kadenz des Jet-Set». Sein Aktionsfeld ist indes international, reicht vom Jurasüdfuss über Stuttgart nach Indien und Paraguay. Die Ausstellung im Aargauer Kunsthaus ist die bisher umfassendste.


Jusqu'à 
21.08.1999
expositions/newsticker Datetrier par ordre croissant Type Ville Pays
René Zäch 05.06.1999 - 22.08.1999 exposition
Artiste(s)
René Zäch
Auteur(s)
Annelise Zwez

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